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Dänische Grenze - Stockholm

Bericht von Matthias    Es ist morgens um Sechs. Bereits schimmert das Licht taghell zwischen den Vorhängen unseres Abteils hindurch. Vom Gang draussen dringen Stimmen herein und kurze Zeit später geht die Abteilstür auf. Passkontrolle. Wir sind jetzt in Dänemark. Es kommt mir etwas unwirklich vor, als Jonas nebenbei erwähnt, dasss wir nun schon gut tausend Kilometer zurückgelegt haben. Ich geniesse die Morgenstimmung und schreibe den ersten Eintrag in mein Reisetagebuch. Vier Stunden später kommt der Zug zum stehen. Genau genommen hat er das auch vorher schon ziemlich oft getan, denn unsere Ankunft in Kopenhagen eilt scheinbar nicht. Aber dieses Mal bleibt der Zug stehen. Bahnhof Kopenhagen, Endstation. Unsere beiden dänischen Abteilsgenossinnen haben den Zug bereits früher verlassen, nun ist es auch für uns übrige Vier an der Zeit. Den Zug hinter uns gelassen gilt unsere erste Priorität der Essensbeschaffung. Das Frühstück steht an. Der Schwede hat inzwischen beschlossen, sich ein neues Billet nach Göteborg zu kaufen, um gemeinsam mit uns den früheren Zug zu nehmen. Wir kaufen uns Croissants und verzehren sie auf einem Bänkchen sitzend. Dabei haben wir immer ein wachsames Auge auf unser Gepäck, denn via Bahnhofsdurchsage werden wir -soweit verständlich- immer wieder vor Dieben gewarnt. Wir unterhalten uns noch ein wenig, bis der grosse Blonde aufbricht, sein Ticket zu besorgen. Seinen Namen haben wir nie erfahren, denn er ward nicht mehr gesehen. Nur noch zu zweit besteigen wir also um 12:19 Uhr den X2000 nach Stockholm. Beeindruckt vom stilvollen Interieur des Zuges verbringen wir einen Grossteil der Fahrt lesend, Musik hörend und fotographierend. Vor die Linse kommt uns dabei neben zahlreichen Seen und rot-weissen Häusern, die geradezu einem Bilderbuch entsprungen zu sein scheinen, vor allem eines: Wald. Davon gibt es hier oben eine Menge. Für das einzige nennenswerte Ereignis der sonst reibungslosen Fahrt sorgte ein älterer Herr, als er irrtümlicherweise auf der Toilette den Alarmknopf betätigte. Um 17:45 Uhr kommen wir in Stockholm an. Ich bin froh, nach der längern Fahrt wieder festen Boden unter meinen Füssen zu haben, denn ich bin längst nicht so Reisefest, wie mein Begleiter. In der Stockholm Central Station wartet bereits eine neue Herausforderung auf uns: Orientierung. Irgendwie bahnen wir uns einen Weg zur Touristeninformation, wo wir zwei Tageskarten zum reduzierten Tarif erstehen (Ein Hoch auf die Jugend!). Als Nächstes gilt es die richtige Metro-Linie zu finden, die uns zumindest in die Nähe unserer Jugendherberge bringen soll. Dass auch Jonas seiner Fachkenntnis zum Trotzt den Stockholmer Untergrund nicht auf Anhieb durchschaut ist mir, der ich nur Bahnhof verstehe, doch ein kleiner Trost. Doch die Suche ist erfolgreich und nach kurzer Fahrzeit steigen wir an der Station Friedhemsplan aus, von wo wir das Hostel in wenigen Minuten erreichen. Dort erfahren wir zunächst, dass entgegen unseren Informationen Bettwäsche von Nöten und Schlafsäcke unerwünscht sind. Einen Aufpreis später können wir aber doch unser Zimmer beziehen, dessen Lage eher an einen Luftschutzkeller erinnert. Das Innere des Raumes ist aber durchaus angenehm, auch wenn wir beide unsere Stauballergie zu spüren bekommen. Wir deponieren unser Gepäck und wagen dann gleich unsere erste Erkundungstour durch die schwedische Hauptstadt. Bald entdecken wir einen Wurststand und unsere Mägen tun ihr Übriges, uns zum Kauf dessen zu bewegen, was sich im Nachhinein als die wohl teuerste Bratwurst Stockholms herausstellen sollte. Gut war sie aber. Wir flanieren noch ein wenig und sehen uns nach einem Restaurant um, wo wir am nächsten Tag zu Mittag essen könnten, ehe wir den Rückweg in die Jugi antreten. Dort erwartet uns im Zimmer ein neuer Mitbewohner, dessen Begrüssung sich allerdings auf ein kurzes Aufschauen beschränkt. Er wird uns noch viel Freude bereiten... Wir lesen noch ein wenig und gehen gegen Zehn Uhr -mittlerweile sind wir zu viert- schlafen.

Kommentar von Jonas   Im Gegensatz zu Nötzli, der eine durchaus gute Nacht im Liegewagen verbracht zu haben scheint, erwache ich irgendwann zwischen 3 und 4 Uhr unwiederruflich. Schon vor dem ersten Aussteigehalt in Hamburg kurz nach 4 Uhr kann ich mit mühsamen Verrenkungen zwischen einem Vorhangspalt die norddeutsche Landschaft betrachten, die ins erste Sonnenlicht gehüllt ist. In Flensburg, dem letzten deutschen Bahnhof für längere Zeit, beginnen sich erste andere Abteilbewohner zu regen und kurz darauf, im Dänischen Padborg, stehe ich bereits zum ersten Mal im Gang am Fenster und beobachte den Rangierbetrieb. Der Halt, bei dem die Lokomotive gewechselt wird, dauert mehr gut 20 Minuten, und zwei weitere Halte in ähnlicher Länge bei Frederica und in Hoie Tastrup wenige Kilometer vor Kopenhagen verlängern die Fahrzeit auf die im Fahrplan geplanten gut 16 Stunden. In Kopenhagen konsumiere ich zum ersten mal eine ausländische Schoggimilch, die mir im Gegensatz zum Croissant (das süsslich und zimtig schmeckte; Mit der Zeit gewöhnt man sich jedoch daran) sehr gut mundet. Wenig darauf, kurz nach Abfahrt im X2000, darf ich ausserdem einen an sich ganz guten Pastasalat von Oliven- und Rucola-Stücken säubern, um ihn nach mühsamer Kleinarbeit endlich essen zu können. Zur Reise nach Stockholm gibt's auch von meiner Seite nicht viel zu berichten, die Schwedischen Durchsagen sind für mich ebenso unverständlich. (Das Problem am Schwedischen: Es klingt irgendwie vertraut, man versteht einige Brocken, man fühlt sich direkt versucht zu sprechen - das geht dann aber eben gerade nicht). In Stockholm darf ich in der SL-Info die passenden Tickets suchen, worauf ich zur Genugtuung von Nötzli die passenden Geleise erst finde, als mir die Tatsache bewusst wird, dass in Stockholm die Wegweiser nicht etwa nach Linien- sondern nach Gleisnummern angeschrieben sind (ich musste also zuerst die Endstation der Linien suchen, um dann zu schauen, auf welchen Perrons die Züge dorthin fahren würden). Ganz grundsätzlich scheint Stockholm für ausländische Touristen schlecht gerüstet zu sein: Es gibt keinerlei Wegweiser, zum Verkehrssystem nur spärliche Informationen auf Englisch (Die Broschüre über das Verkehrsnetz listet freundlich Zahlen und Fakten, aber wenige nützliche Tipps auf) und der offizielle Stadtplan listet nebst Museen auch Shopping-Meilen und coole Bars, aber keine Unterkünfte auf. Schliesslich ist aber das Hostel Fridhemsplan gefunden, und der Aufenthalt kann beginnen.

Bildergalerie vom 15.6.2010

  • 1a: Guetemorge sune...
  • 1b: Der erste Kontakt mit dem Meer: Die Brücke über den grossen Belt.
  • 1c: Schon am ersten vollen Reisetag: Skandinavische Postkartenidylle...
  • 2a: Für Kenner nur das beste: Die wahrscheinlich teuerste Bratwurst von Stockholm...
  • 2b: Stockholm im besten Licht...
  • 2c: Der grosse Platz beim Hauptbahnhof wird vor allem abends nicht nur von Schweden bevölkert (was ihm bei uns einen unrühmlichen Übernamen eingetragen hat...)
  • 3a: Der unterirdische Schlafsaal in Stockholm...
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