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Irgendwo zwischen Åland und Finnland - Helsinki

Bericht von Matthias   Eines gleich zu Beginn: Bequem war der Schlaf auf dem Teppichboden des Sleeping Rooms an Bord der MS Mariella auf jeden Fall nicht. Dafür aber ziemlich kurz. Nach gut zwei Stunden erwachen wir bibbernd vor Kälte, woraus ich schlussfolgere, dass der Hauptgrund für die Kabinenpreise wohl die Heizung sein muss. Wir verlassen den ungastlichen Ort und steuern das Seaside Café an, das um diese Zeit - es ist jetzt etwa halb Fünf - natürlich noch nicht geöffnet hat. Dank unserer fleissigen Schreibtätigkeit gelingt es uns aber, die Zeit totzuschlagen, bis um 07:20 Uhr schliesslich soweit ist. Zeitnah taucht auch das erste Mal finnische Küste am Horizont auf. Ich wage mich mit dem Rest der mittlerweile um einige Mitglieder angewachsenen, hungrigen Meute ans Buffet. Mit einigem Fingerspitzengefühl und manch wagemutigem Ausweichmanöver, gelingt es mir schliesslich Gipfel, Muffins und einen Apfel in die sichere Zone fernab der hart umkämpften Buffetfront zu bugsieren. Nach einem gemütlichen Morgenessen mit Postkarten-Panorama im Hintergrund ist es nach gut siebzehn Stunden soweit. Wir gehen im Hafen von Helsinki vor Anker. Bereits zeitig haben wir unsere Rucksäcke aus dem Gepäckraum geholt und warten nun in Mitten zahlloser Mitreisender auf den gelungen Abschluss des Andockmanövers. Einige lange Minuten später öffnen sich die Türen und die Menge strömt hinaus. Wir lassen das Viking-Line-Gebäude hinter uns und betreten das erste Mal finnischen Grund und Boden. Dass dieser weder vibriert, noch sich sonst irgendwie bewegt, ist für mich eine durchaus wilkommene Abwechslung.
Auf ziemlich direktem Wege steuern wir unsere nächste Unterkunft an. Die Fassade des Hostels ist wie die der meisten anderen Gebäude, die wir zu Gesicht bekommen von Backsteinen dominiert. Das Innere des Hauses macht einen ausserordetlich sympathischen ersten Eindruck und Dank vorhandener Reservation dürfen wir auch gleich einchecken. Beim Öffnen der Zimmertür werden unsere erwartungsvollen Augen dann mit dem herrlichen Anblick eines Zweierzimmers empfangen, zum Mehrbett-Tarif wohlgemerkt! Wir freuen uns ob dem grossen Zimmer und verteilen unser Gepäck entsprechend grosszügig im Raum. Ein Blick in den zuvor in der Lobby entdeckten Stadtführer (in deutscher Sprache!) bestimmt das heutige Ausflugsziel der Wahl: Suemenlinna, eine der grössten Seefestungen der Welt und Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Gegen Mittag gehen wir also zum Hafen, kaufen uns je eine Tageskarte für die Region (Fähre inbegriffen) und los geht's. Mit der Fähre fahren wir hinaus auf die Insel, wo uns eine traumhafte Kombination aus alten Festungsgemäuern, malerischen Küsten und bunter Flora und Fauna schon erwartet. Wir geniessen den Aufenthalt in vollen Zügen, so auch die Pizzas, die wir in der Pizzeria Wallhalla verspeisen. Nach einigen Stunden auf der Insel bringt uns die Fähre zurük auf's finnische Festland. Als wir in der Jugi ankommen, entwickelt mein Bett eine geradezu magische Anziehungskraft auf mich, der zu widerstehen mir unmöglich ist. Ich schlafe zwei Stunden bis um etwa sieben Uhr Abends. Auf der nun folgenden Suche nach einem Znacht landen wir zunächst in einem Supermarkt, den wir zwei Flaschen Mineral reichter (und einige Euros ärmer) wieder verlassen, worauf sich Jonas an der angrenzenden McDonalds-Filiale verpflegt. Ich für meinen Teil bin immer noch satt von meiner Pizza Bolognese. Zurück im Hostel spiele ich noch ein wenig Gitarre, während Jonas an unserer Webseite rumbastelt. Dann sinken wir, den Schlaf dringend nötig, in unsere Betten und schlafen friedlich ein.

Kommentar von Jonas   Tatsächlich werden wir um 4 Uhr zwar durch die grosse Kälte im Raum geweckt, empfangen aber auch durch wunderbare Morgensonne, die das bis Seit den Åland-Inseln und noch bis Helsinki parallel zu uns fahrende MS Silja Symphony bescheint. Mein Frühstück ist (im Gegensatz zur Rollenverteilung des vorhergehenden Znachts, dessen Rauchlachs-Croissant mir noch immer den Magen füllte, nicht ganz so reichhaltig wie das von Nötzli, trotzdem bleibe auch ich bis Suomenlinna ohne weiteres Essen. Was wir auf Suomenlinna tatsächlich tun, wird mir für immer im dunkeln bleiben. Ich kann mich nur noch an lange Kalauernde Gespräche in verschiedenen Dialekten ohne grösseren Sinn erinnern - und natürlich an meine Pizza, die mit echter Finnischer Metwurst belegt war: Ein wunderbarer Beweis für das Reiseführer-Gerücht, dass einerseits kaum eine eigene finnische Küche existiert, andererseits aber die ausländische und insbesondere Italienische Küche auf ganz eigene Weise kultiviert wird. Wieder zurück aus Suomenlinna versuche ich mich, im Gegensatz zu meinem Reisegefährten, zuerst noch mit Musik wach zu halten. Nur meiner weisen Voraussicht ist es aber zu verdanken, dass mich das Handy gegen 19 Uhr wieder aus dem Schlaf reisst und an das Abendessen erinnert. MacDonalds versorgt mich mangels Alternativen mit einer unglaublichen Menge Knoblauchsosse, und nur mit einem Smoothie kann ich meinen Magen einigermassen in Schach halten. Die fotografische Ausbeute des Tages ist übrigens angesichts meiner grossen Müdigkeit mässig. Immerhin finden sich nun einige der unglaublich alt aussehenden, aber schätzungsweise nur gut 20-jährigen Trams der Linie 4...

Bildergalerie vom 18.6.2010

  • 1a: Der "Verfolger" der Konkurrenz: MS Silja Symphony.
  • 1b: Zeitvertrieb bis zur Öffnung des Cafés...
  • 1c: Nebst einem modernen Schiff (auf dem wir uns gerade befinden) läuft auch dieses nostalgisch anmutende Böötchen zwischen Helsinki und Suomenlinna.
  • 2a: "unser" MS Mariella von der Fähre aus gesehen. Welch ein Gegensatz zum kleinen Suomenlinna-Böötchen...
  • 2b: Krieg und Idylle sind manchmal näher zusammen als man denkt, wie folgende Bilder von Suomenlinna zeigen...
  • 2c: ...
  • 3a: ...
  • 3b: ...
  • 3c: ...
  • 4a: ...
  • 4b: Das erwähnte "alte Trämmli" von Helsinki stammt in wirklichkeit aus dem 1980er-Jahren!
  • 4c: Selten haben wir uns so auf ein Bett gefreut wie auf dieses...
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