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Helsinki - Tampere

Bericht von Jonas    Angesichts der Tatsache, dass unser Zug erst um 12:19 fährt und uns der Preis für das Frühstück etwas hoch erscheint, zögern wir unsere Weckzeit bis halb Zehn hinaus. Nach einer angenehmen Morgendusche und der weniger angenehmen Tatsache, dass der Sensor des Waschbeckens im Waschraum mein Hemd als dankbares Opfer erkannte und ertränkte, verlassen wir gegen 10:30 das Hotel und fahren mit dem Tram Nummer 4 zum Hauptbahnhof. Das Take Away dort liefert uns Croissants und eine grosse und fast unglaublich süsse Tasse Heisse Schokolade zum Frühstück, das wir auf einem beliebigen Perron (vorher sorgfältig von mir angesichts der zu fotografierenden Züge ausgewählt) verspeisen. Gegen 12 Uhr können wir in den Regionalzug nach Tampere einsteigen, der aus zwei Finnischen Elektro-Triebzügen mit sehr grosszügigen Gepäckablagen und ebenso viel Stauraum unter dem Sitz besteht. Er bringt uns in knapp 2 Stunden nach Tampere, wobei eine Verspätung von 20 Minuten wegen Abwartens des Gegenzuges schon beim zweiten Halt entsteht. In Tampere angekommen finden wir ohne Verzögerung das Hostel, das direkt bei der Kathedrale liegt, und checken in unser Dreierzimmer (vorerst zu zweit) ein. Das folgende Mittagessen (gegen 15 Uhr) wird im "Grossmann" beschafft und besteht für mich aus einem Grünen Salat mit Croùtons und Poulet, einem im negativen Sinn speziellen Reis-Vollkornbrot-Gebastel und einem Schokoriegel mit dem sympathischen Namen "wir" (JIM, so hiess er dann, als ich ihn auf die richtige Seite drehte), und dem mir weniger sympathischen Geschmack einer gefüllten Schokomaus. Beim Bahnhof tätigen wir die (vom heutigen Konduktuer sehr empfohlenen) Platzreservationen für den folgenden Tag. Das folgende Sightseeing umfasst eigentlich nur einen kurzen Gang über die Brücke zu einem grossen Platz mit Busbahnhof und zurück durch den Park ins Hostel. Dank genügend Steckdosen beginnen wir mit der Niederschrift unserer Reiseberichte, die mangels Netz vorerst noch im Netbook gespeichert bleiben. Um 19 Uhr begeben wir uns auf der Suche nach etwas günstigem zum Znacht, fündig werden wir beim grossen Platz, wo es einen American Hotdog gibt. Im Kaufhaus, das glücklicherweise bis 21 Uhr geöffnet hat, kaufen wir uns im hinblick auf die nächste Tagesetappe ein gut haltbares Picknik bestehend aus Knäckebrot und Scheibenkäse. Mit einem Smoothie fülle ich ausserdem meine Vitaminvorräte auf. Danach geht es mangels gutem Wetter rasch zurück ins Hostel, wo ich mein nächstes Buch (Schätzing: Mordshunger) beginne und gleich halb fertig lese. Gegen 22 Uhr entscheiden wir uns für eine kleine Partie Schach, die immerhin rund 45 Minuten dauert (und dann noch 15 Minuten dazu, während der ich mit einer falschen Strategie versuche, Nötzli Schachmatt zu setzen). Die Nachtruhe um 23 Uhr wird dann mangels Dunkelheit nicht Realität, erst nach längeren Diskussionen fühlen wir uns genug müde, um zu schlafen.

Kommentar von Matthias   Mein Morgen beginnt schon um halb Acht. Das nicht enden wollende Piepsen einer vorbeifahrenden Baumaschiene (so vermute ich zumindest in meinem morgendlichen Halbschlaf) reisst mich aus meinen Träumen. Genervt nutze ich die Gelegenheit für einen Gang aufs Örtchenm und versuche dann die folgenden zwei Stunden vergeblich, wieder einzuschlafen. Ich bin folglich nicht übermässig erholt, als wir uns auf den Weg zum Bahnhof machen. Die fast schon obligatorischen Croissants zum Frühstück vermögen meine Laune allerdings ein wenig zu heben. Da ich die Leidenschaft meines Begleiters für die Zugfotographie nicht wirklich teile, vergeht die Zeit doch eher zäh und ich bin froh als wir endlich unseren Zug besteigen können. Während der Fahrt nach Tampere verfasse ich einen weiteren Eintrag in mein Reisetagebuch, wobei mir die finnischen Bahndurchsagen - stets angekündigt von einem nervtötenden Intervall - das Leben schwer machen. Ständig unterbrochen zu werden ist eine Sache, ständig auf Finnisch unterbrochen zu werden eine andere. Ich will wenigstens verstehen, worüber ich mich aufrege! Den Unwidrigkeiten zum Trotz gelingt es mir noch vor unserer Ankunft in Tampere, den Bericht fertig zu stellen.
Auf unserem Weg zum Hostel fällt uns die augenfällige kulinarische Passion der Bewohner Tamperes auf: Verkauft werden Erdbeeren und Bohen und die Stände spriessen nur so der Strasse entlang. Die spinnen, die Finnen, befinde ich und wundere mich nicht weiter ob der in meinen Augen merkwürdigen Kombination. Unser Mittagessen bleibt dann auch frei von Erdbeeren und Bohnen. Unsere Stadtbesichtigung verläuft auch eher ereignislos. Die grösste Aufmerksamkeit meinerseits kann ein Fischer auf sich ziehen, der unweit unterhalb eines Wasserkraftwerkes sein Glück versucht. Und nein, soviel spannender, als es jetzt klingt war das nicht. Eigentlich kein Bisschen. Also verziehen wir uns wieder zurück in die Jugi um zu tun, was wir jeden Abend tun, wenn sonst nichts los ist (Und es hat nicht mit der Weltherrschaft zu tun!). Wir schreiben. Der freundliche Herr, der uns ein wenig später seine Hot-Dogs zu reduzierten Preisen verkauft, bestätigt meine Theorie, dass die Würstchen gekocht und nicht gebraten werden, worüber ich zuvor vehement mit Jonas diskutiert habe. Höhepunkt des Abends bildet aber unsere Schachpartie, während der Jonas mir demonstriert, wie schwierig es sein kann einen einsamen König mit zwei Türmen matt zu setzen. Aber es war ja schon spät...

Bildergalerie vom 18.6.2010

  • 1a: So ein Vehikel bringt uns von Helsinki nach Tampere.
  • 1b: Die Zeit wird fleissig genutzt, um Logbuch zu führen...
  • 1c: Heimatschutz auf Finnisch: Der Busbahnhof von Tampere liegt mitten im historischen Zentrum (und die IKEA gibt's auch in Finnland)
  • 2a: Entlang der kurzen Fliesstrecke zwischen den beiden Seen von Tampere liegen die örtlichen Industrie-Überbleibsel...
  • 2b: ...und gleich zwei Wasserkraftwerke.
  • 2c: Die markante Kathedrale gleich neben unserem Hostel.
  • 3a: Und schliesslich unser gemütliches Dreierzimmer (das dritte Bett war glücklicherweise nicht besetzt).
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