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Hammerfest - Tromsø

Bericht von Matthias    Hell steht die Sonne am Himmel, als wir am nächsten Morgen in Hammerfest aufwachen. Manch einer könnte hier meinen, wir hätten den Wecker, am Vorabend auf Sechs Uhr gestellt, überhört und verschlafen. Haben wir nicht, denn bekanntlich scheint hier die Sonne auch nachts. Dennoch bietet sich uns hinter den Vorhängen ein höchst ungewohnter Anblick: Strahlende Sonne vor ebenso strahlend blauem Himmel. Das macht uns das Frühaufstehen dann auch gleich um einiges erträgliche und eine warme Dusche tut das Ihrige zu einem gelungenen Start in den Tag. Wir packen schonmal unsere Rucksäcke um nach dem Frühstück gleich aufbrechen zu können. Uns stand nämlich eine der längsten Busetappen der Reise bevor. Tagesziel: Tromsø. Das Frühstück ist nicht weiter erwähnenswert, bis auf die Tatsache, dass die Konzentration deutscher Touristen mal wieder erstaunliche Ausmasse annimmt. Als Schweizer fühlt man sich schon fast exotisch.
Die Ruckäcke geschultert und die Mägen gefüllt treten wir dann den Marsch hinunter ins Tal an, der sich als wesentlich kürzer herausstellt, als der Weg hinauf. (Oh Wunder der Physik!) Entsprechend früh stehen wir am Busbahnhof und warten. Nach nicht allzu langer Zeit kommt der Bus für unsere erste Etappe nach Skaidi und wir sichern uns wieder Plätze in den vorderen Reihen. Fast schon wehmütig lassen wir das nördlichste Städtchen der Welt hinter uns und beginnen eine Fahrt, die uns mal wieder mit ausgezeichneten Aussichten verwöhnte. Zahlreiche Pässe überquerend streifen wir immer mal wieder die Baumgrenze, säumen weit ins Land hinein ziehende Fjorde und bestaunen dabei die sehenswerte Bergwelt wenige Meter über Meer. Nachdem wir in Skaidi umgestiegen sind, erreichen wir um Viertel vor Elf Alta und wechseln dort auf den Bus nach Tromsø. Schlecht wird mir während der heutigen Etappe übrigens nicht, denn in weiser Voraussicht verzichte ich auf weitere Schreibeskapaden. Für ein wenig Abwechslung im Busspassagier-Leben sorgt einer unserer diversen Zwischenstops an einem Tankstellen-Shop. Trotz der grosszügig bemessenen Pausenzeit gelingt es einer älteren Dame nämlich, den Bus nicht rechtzeitig wieder zu besteigen. Verzweifelt folgte sie dem Bus daraufhin zu Fuss, was einigen Passagieren, nicht aber dem Fahrer auffällt. Ein älterer Herr macht den Chauffeur dann freundlicherweise auf unsere Verfolgerin aufmerksam und wir legen eine Kehrtwendung ein. Nochmal gut gegangen. Gegen Ende der Strecke - mittlerweile sind mehrere Stunden vergangen - werden wir noch zweimal auf eine Fähre verladen. Um 17:35 Uhr kommen wir in Tromsø an.
Zu Fuss suchen wir hier eine passende Haltestelle, die wir auch finden, und eine Viertelstunde später nimmt uns ein Bus der Linie 26 mit in Richtung Jugendherberge. Mit etwas Glück, das bei nicht vorhandenen Haltestellen-Namen durchaus von Nöten ist, steigen wir rechtzeitig aus und erreichen schon nach kurzem Fussweg das Hostel. Das Gebäude, von aussen betrachtet nicht gerade eine Schönheit, dient nur im Sommer als Herberge und ist sonst ein Studentenwohnheim. Als wir ankommen, ist es bereits kurz nach Sechs und wir haben die Öffnungszeiten der Reception knapp verpasst. Erst etwas ratlos finden wir dann dank dem freundlichen Tip einer norwegischen Familie, der wir bereits in Honningsvag begegnet sind, den Zimmerschlüssel, die in einer Box im Eingangsbereich für uns deponiert ist. Das Zimmer 220 ist noch unberührt, als wir es betreten. Schlafplätze sind für vier Leute vorhanden. Jonas und ich reissen uns die unteren zwei Betten unter den Nagel und erstmals kommen der mitgebrachte Schlafsack und das Laken zum Einsatz. Nachdem wir unser Revier erfolgreich markiert haben, statten wir dem nahegelegenen Coop, den wir aus dem Bus erspäht haben, einen ersten Besuch ab. Mit genügend Proviant für ein abendliches Mal bewaffnet treten wir den Rückweg ins Hostel an, wo wir sogleich den Esstisch in Beschlag nehmen. Als ich Jonas gerade meine Lust auf Pasta verkünde, bietet uns eine deutsche Familie freundlicherweise ihre Resten: Mein Herz hüpft beim Anblick einer halbvollen Pfanne Teigwaren und ich lasse mir es nicht nehmen, sie bis aufs Letzte zu leeren. Etwas mehr Salz hätte ihnen allerdings gut getan. Für den Verzehr ohne Sauce waren sie anscheinend nicht konzipiert worden. Nach dem Abwasch bleiben wir noch eine Weile sitzen und machen dabei gleich die Bekanntschaft mit zwei weiteren Deutschen: Einem in Norwegen lebenden Wanderer und einem Couch-Surfer, der versucht trampend bis ans Nordkapp zu kommen. Während wir uns unterhalten, taucht unser Zimmergenosse auf. Seinen Namen, Aaron K. haben wir schon anhand des Schlüsselcouverts für unser Zimmer in Erfahrung bringen können. Nun erfahren wir, dass er ein aus Belgien stammender, orthodoxer Jude ist. Während dem Rest des Abends beschallt er den ganzen Stock mit religiösen Gesängen. Teils zu Fluchtzwecken, teils aus Interesse begeben wir uns gegen halb neun in die Lobby im Erdgeschoss. Hier steht der Fernseher und hier beobachten wir zusammen mit diversen anderen Gästen die letzen Spiele der Gruppenphase der WM. Aus Rücksicht auf die angeknackste Volksseele, verzichte ich hier auf eine genaure Beschreibung der fussballerischen Geschehnisse. Nur soviel: Ich bin froh, die Zeit vor dem Fernseher schreibend verbracht zu haben und das Desaster nur akkustisch mitbekommen zu haben. Nach dem Match vollende ich noch meinen Tagesbericht und dann gehen wir schlafen. Die Nacht bietet uns ein weiteres akkustisches Vergnügen: Das lautstarke Schnarchen unseres Zimmergenossen. Ein Königreich für ein Paar Oropax!

Kommentar von Jonas    Viel zu kommentieren gibt es für einmal nicht. Tatsächlich ist der sonnige Morgen ungewohnt, deutlich ungewohnter allerdings der günstige Tarif von Hammerfest nach Alta: Der Chauffeur sieht uns wohl als so eine art Familie an und verkauft uns ein günstiges Familienticket (wer von uns langsam aber sicher bärtigen Gesellen denn nun der Sohn oder die Mutter ist, bleibt für immer ein Rätsel). Leider ist der Chauffeur des Busses von Skaidi nach Alta aber ein etwas zu gemütlicher Mensch, so dass in Alta weder Zeit für einen Schnappschuss noch für einen Toilettenbesuch besteht. Was für ein Glück, dass die NorWay-Bus-Ekspress-Fahrzeuge eine Toilette besitzen (über die übrigen angepriesenen der Vorteile des Systems mehr im übernächsten Bericht). Das am Morgen so schöne Wetter verschlechtert sich im Laufe des Tages immer mehr, und auf der zweiten Fähre fällt bereits zum ersten Mal etwas Regen. Auch meine Laune verschlechtert sich, als sich meine eigene Planung wieder mal als nicht ganz vollständig herausstellt: Aufgrund des schlechten Linienplans ist mir der Abfahrtsort der Linie 26 in Tromsø unbekannt, und meine Annahme, dass der Chauffeur diesen finde, stellt sich als grundfalsch heraus. Nur durch Zufall erspähe ich einen der gesuchten Busse (die in Tromsø aufgrund der Bemalung einmal mehr ausnahmslos alt erscheinen) und wir verlassen den Langstreckenbus bei der nächsten Gelegenheit unter erstauntem Nachfragen des Chauffeurs (You already found it?). Die Reception in Tromsø habe ich ebenfalls über unsere spätere Ankunft informiert; Aufgrund der angegebenen Öffnungszeiten im Internet (bis 20 Uhr) bin ich deshalb schon etwas erstaunt, dass um 18:05 schon niemand mehr anwesend ist. Aber wie gesagt, die Norwegische Failie kann uns weiterhelfen, und es wird doch noch zu einem spannenden Abend mit verschiedenen Menschen aus aller Welt, und ich bin doch froh, dass ich den geschätzten Herrn K. dazu überreden kann, doch bitte sein koscheres Mal in der Küche und nicht in unserem Zimmer mit dem Benzinkocher zuzubereiten...

Bildergalerie vom 25.6.2010

  • 1a: Der Morgen in Hammerfest. Bei Sonne sieht das Städtchen noch viel schöner aus!
  • 1b: Umsteigen in Skaidi. Hier verlässt uns übrigens meine Thunfischpaste aus Finnland, da die Tube im Rucksack zerbrach...
  • 1c: Pässe und Fjorde prägen die Strecke von Alta nach Tromsø. Der erste ist hier zu sehen...
  • 2a: Gerade die Verbindung aus beiden Elementen macht die Strecke so schön. Die Ausblicke sind ebenso gut wie in den Schweizer Alpen.
  • 2b: Ein neues Erlebnis für uns: Autofähren-Überfahrt mit dem NorWay-Express.
  • 2c: Und zum Schluss noch ein Ausblick auf die Heimatt der nächsten 2 Tage: Tromsø.
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