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Tromsø

Bericht von Jonas    Irgendwann im Laufe der Nacht erwache ich, nachdem ich von einer knirschenden Brücke geträumt habe. Als die knirschende Brücke stellt sich Aaron K. heraus, der unglaublich laut und durchdringend schnarcht. Von etwa vier bis fünf Uhr lese ich im "Gantenbein", dann scheint der gute Herr zu erwachen, ich schlafe sofort ein in der angenehmen Ruhe und erwache etwa um 8 Uhr wieder. Kurz darauf erwacht auch unser gläubiger Gefährte und sieht eine gute Gelegenheit zum Beten - schon fünf Minuten später hallt sein Singsang aus dem Korridor, während ich gemütlich lese und schreibe und dann irgendwann mal die Zeit für eine Morgendusche gekommen sehe. Meine Schokomilch, am Vorabend im Coop gekauft, scheint doch nicht ganz so Raumtemperatur-fest zu sein, wie es auf der Packung heisst - schnell bewegen wir uns wieder in den Coop zwecks Frühstücksbeschaffung, und nachdem ein Smoothie (Ja, wir sind wieder im Süden angelangt und eine halbwegs gesunde Ernährung zwar noch nicht günstig, aber immerhin wieder möglich) den schrecklichen Schoko-Nachgeschmack vertrieben hat, essen wir unsere Brötchen, während wir zu Fuss ins Zentrum und danach über die eindrückliche Brücke ins Festland-Quartier Tromsdalen bringt. Die Seilbahn "Fiellheisen" bringt uns rund 400 Meter über den Meeresspiegel, von wo aus eine wunderbare Aussicht über die Stadt genossen wird - inklusive Gitarrenbegleitung - aber nur während einer halben Stunde, dann bricht der Regen los. Bald geht es deshalb wieder talwärts mit der Seilbahn und im sehr gut gefüllten Bus zurück in die Stadt. Mein Zmittag stammt vom nördlichsten BurgerKing der Welt, der allerdings in Sachen Pommes Frittes nicht so bewandert zu sein scheint wie seine südlichen Brüder. Im Coop, während ich meinen Dessert beschaffe, gibt's dann auch für Nötzli Mittagessen, gleichzeitig kaufen wir den Znacht. Nach einer kleinen Finanzspritze gehts per Bus in die JH, wo wir Zmittag/Dessert im Essraum geniessen und mit zwei etwa gleichaltrigen Österreicherinnen aus Linz ins Gespräch kommen - eine von ihnen hat ein Zwischenjahr in Bergen verbracht, die zweite besucht sie nun in Norwegen. Als die beiden irgendwann verschwinden, spiele ich mit Nötzli zwei Partien Schach und verliere massiv. Ich persönlich schiebe aber die Niederlagen auf mein unausgereiftes Multi-Tasking, denn ich versuche gleichtzeitig, den zersprungenen und verbogenen Staubfilter von meinem Spiegelreflex- Objektiv zu würgen und so auch die grosse Kamera wieder zum funktionieren zu bringen. Abends gegen 19 Uhr kochen wir unsere Tortellini und finden uns plötzlich inmitten von Schweizern wieder: Ein junges Pärchen aus Schönbühl ist unterwegs per Mietauto in Tromsø angelangt und wird am folgenden Tag zurück nach Gällivare fahren, ausserdem ist ein Vater mit seiner Tochter aus Zug hier, auf dem Rückweg vom Nordkapp und seit drei Monaten mit dem Velo unterwegs. Ebenfalls zu uns gesellt sich ein Österreichischer Motorradfahrer aus Krems, der ebenfalls bereits am Nordkapp war und nun auf dem Rückweg ist. Zusammen unterhalten wir uns bis gegen 23 Uhr, dann gehen wir, natürlich nicht ohne uns gebührend zu verabschieden und allen gute Heimreise zu wünschen, ins Zimmer und halten unsere bald schon traditionellen Abenddiskussionen - Herr K. ist irgendwo draussen am beten...

Kommentar von Matthias    Keine knirschende Brücke, sondern vielmehr eine drückende Blase war es, die mich um Vier Uhr in der Früh aufwachen lässt. Dieses Problem lässt sich mit einem kurzen Toilettenbesuch leicht aus der Welt schaffen, aber ans Einschlafen war dannach nicht zu denken. Mindestens eine halbe Stunde kostbaren Schlaf kostet mich unser lautstarker Zimmergenosse. Glücklicherweise ins unser Tagesprogramm ja nicht so dicht und der Morgen bietet genügend Zeit zur Erholung, denn Herr K. beschallt ja jetzt den Gang. Während er auf diese Weise Kontakt zu höheren Sphären sucht, begnüge ich mich damit, unter Douglas Adams Anleitung die skurilen Wunder Universums weiter unter die Lupe zu nehmen. Erst als der morgendliche Hunger die Leselust niedergerungen hat, machen wir uns auf die Socken in Richtung Stadt. Der Weg dauert zu Fuss eine ganze Weile und wir haben genügend Zeit uns über die wirklich wichtigen Dinge im Leben - Trickfilme und Comics - zu unterhalten. Selbstverständlich bleibt auch genug Zeit für ein Busphoto auf der Brücke. Und selbst wenn nicht, würden wir sie uns nehmen. Später, auf dem Gipfel des Berges angekommen, bekommt dann auch meine Gitarre ihre nötige Portion Frischluft. Wie gewohnt lassen wir uns auch hier zu einer Blues-Improvisation hinreissen. (Böse Stimmen munkeln, wir können gar nichts anderes...) Das rasch umschwingende Wetter macht dem Spass allerdings bald ein nasses Ende. Die hitzig geführte nachmittägliche Schachpartie lässt aber schnell auch den letzten Regentropfen auf unserer Kleidung verdampfen. (Auch hier meinen übrigens böse Stimmen, Jonas habe seinen Filter absichtlich vermurkst, um seine unabwendbare Niederlage zu rechtfertigen. Es gilt aber wie immer die Unschuldsvermutung) Der gesellige Abend voll mit Schweizerdeutsch, Reisegeschichten und Zöllner-Anekdoten verleiht dem Tag dann ein stimmiges Ende.

Bildergalerie vom 26.6.2010

  • 1a: Über die Aussicht vom Vorplatz des Vandrerhjem Tromsø kann man nicht klagen.
  • 1b: Richtig schön ist dann aber die Aussicht vom Hausberg auf die Stadt, die grösstenteils auf einer Insel liegt!
  • 1c: Endlich erhält auch die Nötzli'sche Gitarre wieder mal ihre Frischluft...
  • 2a: ...wenn auch nur kurz, denn der Regen naht. (Ein Schelm, wer dabei an Troubadix denkt...)
  • 2b: Und plötzlich ist nichts mehr mit schöner Aussicht...
  • 2c: Aber die farbenfrohe Luftseilbahn bringt uns auch bei Regen sicher ins Tal.
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