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Tromsø - Riksgränsen

Bericht von Matthias    Am nächsten Morgen brechen wir auf. Mit Sack und Pack lassen wir die Tromsøer Jugendherberge und mit ihr unseren lautstarken Zimmergenossen hinter uns und machen uns auf den Weg zum Busbahnhof. Es ist Sonntag und wir kriegen bald schmerzlich zu spüren, dass lange Ladenöffnungszeiten unter der Woche nicht zwangsläufig Sonntagsverkäufe zur Folge haben müssen. Hungrig stapfen wir durch Strassen, die in der morgendlichen Frühe noch wie ausgestorben daliegen und mir ist fast, als könne man leise das Knurren unserer Mägen vernehmen. Als wir uns schon fast mit der Erfolglosigkeit unserer Suche abgefunden haben, entdecken wir an einer Strassenecke einen tapferen kleinen 7/11-Laden, der dem Diktat der geschlossenen Türen noch immer erfolgreich Widerstand leistet. Wir rüsten uns mit Schinken-Käse-Toast, Muffin und Getränken aus und gelangen dann nach einem kleinen Umweg zum Busbahnhof. Hier erwartet uns folgende Szenerie: Vor unserem Bus, den zu besteigen unser Plan war, tummeln sich wartend eine Gruppe norwegischer Soldaten/-innen sowie einige wenige weitere Reisende. Sie scheinen alle ziemlich planlos und der Grund dafür ist schnell gefunden. Unser Bus ist schon voll. Von der hoch angepriesenen Sitzplatz-Garantie kriegen wir nichts zu sehen. Kein Ersatzbus weit und breit. Nach einiger Zeit erklärt der Buschauffeur, Taxi-Kleinbusse seien bestellt und macht sich mit seinem Bus vom Acker. Wir warten. Dann warten wir noch ein Bisschen. Und noch ein wenig. Nach 25 Minuten kommt schliesslich ein erstes Taxi, in dem wir natürlich nicht alle Platz finden. Nach einer weiteren Viertelstunde mit einer Gesamtverspätung von 40 Minuten, werden wir schliesslich abgeholt und die Fahrt in Richtung Narvik kann beginnen. Unterwegs steigen wir noch zweimal um und erreichen auf wundersame Weise den Bahnhof von Narvik noch rechtzeitig.
Beim Aussteigen erwartet uns schon eine nächste Überraschung. Wir treffen Oli und seine Freunde wieder. Sie warten auf den selben Zug, den wir zu nehmen gedenken. Wir unterhalten uns ein wenig über das in der Zwischenzeit Erlebte und tauschen Kontaktdaten aus. Ausserdem machen sie mit uns noch ein kurzes Video-Interview für ihre Reise-DVD, von der wir nach Vollendung auch ein Exemplar erhalten werden. Wir besteigen den Zug und fahren nach Riksgränsen. Dort verlassen wir unsere deutschen Bekannten auch schon wieder und suchen das Hostel auf. Die Reception ist zunächst verwaist, doch nach einiger Zeit taucht einer der Betreiber des Hostels auf, offenbar auf den Anruf eines anderen Kunden hin. Wir checken ein. Im benachbarten Laden kaufen wir uns Pizza, die wir mit Hilfe der Hostel-Küche in essbaren Zustand bringen und dann ihrem Schicksal zuführen. Da wir kein Bisschen schwedisches Geld in der Tasche haben, muss für einmal die Travelcash-Karte herhalten. Nach dem gewohnten Abendprogramm - lesen - garniert mit einem kurzen Blick auf das aktuelle Fussballgeschehen entschwinden wir sanft ins Reich der Träume.

Kommentar von Jonas    Ich war schon im Voraus der Reise gespannt auf die hoch angepriesene Sitzplatzgarantie in den NorWay-Expressbussen. Ganz so hatte ich mir diese aber nicht vorgestellt. Wir sassen zwar die ganze Reise durch, aber das viele Umsteigen mit dem schweren Gepäck von den improvisierten Kleinbussen in einen ebenso improvisierten SAS-Flughafenbus und dann in den wartenden Kurswagen und die daraus resultierende halbe Stunde Verspätung ist in meinen Augen kaum besser als eine pünktliche Beförderung auf dem Fussboden oder auf der Treppe. Zumal die vielen Anwesenden Leute scheinbar jeden Sonntagmorgen einrücken müssen, keine organisatorische Glanzleistung. Von der Fahrt ist mir wenig in Erinnerung; Das Wetter war schlecht und die Landschaften somit nicht ganz so schön wie weiter im Norden. Erwarteterweise wunderbar dagegen die Fahrt per SJ-Intercity über die Ofotbahnen nach Riksgränsen, wo uns ein weiteres Mal eine Überraschung erwartet: Eine grundsätzlich nicht besetzte Reception. Der knorrigle Bergler, der dann eben auf Anruf eines anderen Gastes auftaucht, tritt dann in einer orangen Winterkappe auf die Szene, und irgendwie erscheint er mir wie ein Pistenfahrzeugführer. Auch das Wort "Rentierangler" geistert in meinem Kopf herum - weitere Hinweise zum Wort bitte an die zuständige Irrenanstalt. Die Pizza ist grundsätzlich ganz angenehm, aber auch hier ist wieder eine gewisse unschöne Diskrepanz zwischen Boden (halb roh) und Belag (bereits knusprig) festzustellen, die den Genuss etwas schmälert. Zum ersten Mal seit dem Nordkapp schlafen wir dann übrigens bei angeschalteter Heizung ein...

Bildergalerie vom 27.6.2010

  • 1a: Trotz widriger Umstände gibt es sogar von diesem Tag Landschaftsbilder aus Schaufelberger'scher Produktion...
  • 1b: Und ausserdem gehört auch die Zimmeraussicht zum Pflichtprogramm. Diese ist in Riksgränsen trotz der grossen Kälte nicht zu verachten!
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