Zur Startseite|Vorheriger Tag|Nächster Tag

Kabelvåg

Bericht von Matthias    Der Wecker läutet um halb Neun. Ein erster müder Blick aus dem Fenster bestätigt, was der Abend zuvor in Aussicht gestellt hat. Blauer Himmel, Sonnenschein. Das erste schöne Wetter seit längerem. Nachdem ich geduscht habe, gehen wir frühstücken. Zurück im Zimmer erwartet uns dann eine Premiere auf unserer Reise: Wir waschen. Socken und Unterhosen müssen daran glauben und die dunkle Farbe des Wassers bestätigt uns bald die Richtigkeit und Wichtigkeit dieser Massnahme. Zum Trocknen legen wir die Kleider auf die Heizung und aufs Fensterbrett und hoffen, dass der Sonnenschein seinen Teil zu unserem Vorhaben beiträgt. Gegen Mittag überlassen wir die Wäsche ihrem Schicksal und machen uns daran, etwas die Gegend zu erkunden. Nachdem wir eine Weile der Strasse entlang gegangen sind, bietet uns ein nach links abbiegender Weg an, dem Lärm der Hauptstrasse zu entfliehen. Dieses Angebot nehmen wir gerne an. Vorbei an einer Tankstelle folgen wir dem Pfad und gelangen schliesslich an einen idyllischen See, hinter dessen jenseitigem Ufer sich die Berge erheben. Wir gehen ein Stückchen vom Weg ab und setzen uns auf einige Felsen nahe des Wassers. Ich geniesse das ruhige Ambiente und packe, nachdem ich einige Fotos geschossen habe, meine Gitarre aus. Während ich friedlich vor mich hinschrummle, zieht Jonas ganz andere Saiten auf und geht dem vermurksen Kamerafilter an den Kragen. Schliesslich ist es der Hunger, der uns am Nachmittag zurück in Richtung Tankstelle treibt. Trotz einigen teils freiwilligen, teils unfreiwilligen Umwegen kommen wir auch dort an und gönnen uns zwei Pølse. Die sind billig und schmecken gut. So richtig satt bin ich dannach aber nicht. Auf dem Rückweg zum Hostel gehen wir noch im Coop vorbei, ehe wir uns in unserem Zimmer wieder mit Vergnügen in unsere Lektüre stürzen. Als wir am späteren Abend auf dem Vorplatz der Jugi zu Abend essen entdecke ich doch noch ein W-Lan-Netzwerk und unser Abendprogramm steht, denn für Homepage-Updates nutzen wir gerne jede Möglichkeit, die sich uns bietet. Ausserdem wollen die Kontakte zur Aussenwelt ja gepflegt werden. Fix suchen wir uns also noch einige Adressen für unsere halbfertigen Postkarten zusammen, werfen einen Blick auf die Fussballresultate und tun all das, was das Web sonst noch Interessantes zu bieten hat. Als wir in unser Zimmer zurückgehen ist es noch immer taghell, obwohl die Mitternacht schon naht. Ich habe Mühe, einzuschlafen, denn unsere Vorhänge dämmen das Licht nur mässig. Schliesslich besinne ich mich auf altbewährtes: Augen zu und durch.

Kommentar von Jonas   Nach dem Frühstück, das hier übrigens etwas weniger ergiebig als auch schon ausfällt, wird also tatsächlich gewaschen. Es stellt sich allerdings schon als schwierig heraus, überhaupt einen Ort zu finden, wo wir unsere Wäsche aufhängen könnten, das Fenstersims ist nur eine Notlösung. Dafür ist die anschliessende "Wanderung" ganz angenehm, bin ich es mir doch eigentlich von zu Hause gewohnt, täglich einige Kilometer zu Fuss zurückzulegen. Als Nebeneffekt werden wir ausserdem in einer Unterführung (ja, die sind sogar hier versprayt) mit unschlagbarer Weisheit eingedeckt. Die Flucht vor der Hauptstrasse verdankt sich übrigens einem Glückstreffer, denn eigentlich war lediglich ein Schiesstand und ein weiteres Wohnquartier markiert. Nachdem ich also am See mit mehr oder weniger roher, aber gezielter Gewalt meinen gesprungenen Filter definitiv zerbrechen kann, ist die Spiegelreflexkamera am Nachmittag wieder einsatzbereit. Wie gut, dass uns auf dem Rückweg via Coop zur Jugi gleich mehrere Linienbusse entgegenkommen (mein Reisegefährte ist darüber allerdings weniger erfreut). Den Abend verbringen wir dann also wiederum lesend und schreibend, wobei es anzumerken gilt, dass im ganzen Hostel keine irgendwie spannenden Personen zu erblicken sind.

Bildergalerie vom 29.6.2010

  • 1a: Die Zeiten ändern sich... Das beste Zeichen dafür sind unsere Bärte, die langsam aber sicher auch ohne Zoom sichtbar werden...
  • 1b: "Bergsee-Idyll" 10 Meter über Meer bei Svolvaer. (Die 10 Meter Höhenunterschied werden übrigens für die Stromproduktion genutzt)
  • 1c: Ein reisefreier Tag bedeutet: Gitarre raus!
  • 2a: Die grosse Kirche in Kabelvag: Einmal mehr erinnert Norwegen eher als ein Fantasy-Land als an eine grosse Erdölnation.
  • 2b: Der alte Fischerhafen in Kabelvag, unser Zimmerausblick aus dem Hostel!
Zur Startseite|Vorheriger Tag|Nächster Tag