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Kabelvag - irgendwo zwischen den Lofoten und Bodø

Bericht von Jonas    "No Stress" ist auch am zweiten Morgen in Kabelvag unser Motto. Nach einer Dusche und einem ausgiebigen Frühstück verlassen wir gegen 11 Uhr das Hostel und begeben uns zur Bushaltestelle, wo uns (nach einem kurzen Nötzlischen Gitarrensolo) um 11:20 der Bus nach Leknes mitnimmt. Das Wetter ist immer noch sehr schön und die Lofoten zeigen sich uns von der besten Seite, ganz im Gegensatz zu den eher mühsamen Velofahrern, die zumeist älteren Semesters sind und entsprechend nicht mehr fähig, sich einigermassen am Rand der Strasse zu halten oder gar ein Tempo von über 10 km/h zu erreichen - auch abwärts! Mit 10 Minuten Verspätung steigen wir in Leknes auf den nächsten Bus um - er wird uns über eine schmale und unübersichtlich (und somit für mich traumhafte, für Nötzli eher traumatische Strasse nach Å bringen. Aufgrund der knappen Umsteigezeit reicht es für mich nicht mal für ein Foto. In Å wollen wir eigentlich das weitläufige Fischerdorfmuseum besuchen, angesichts der Tatsache, dass es keine Möglichkeit gibt, unsere Rucksäcke irgendwo zu deponieren (ein gutes ÖV-Angebot nützt nicht viel, wenn nacher die entscheidenden Einrichtungen für den öffentlichen Reisenden fehlen), verzichten wir dann darauf und spielen erst einmal drei Partien Schach, die ich mehr oder weniger glanzvoll gewinne. Danach schreibe ich meine beiden Tagesberichte und lese Adams, bevor wir uns am späteren Nachmittag mit einer zweiten Postkartenserie eindecken und diese gleich auch schreiben. Nachdem uns der Bus um 19:10 nach Moskenesvagen gebracht hat, gibt's erst mal ein Abendessen - zum ersten Mal seit Honningsvag in einem Restaurant. Meine grosse Portion Rindsgeschnetzeltes bringt mich wieder auf Trab, und das anschliessende ebenfalls sehr grosszügige Cornet verspricht einen guten Magenfüllungsgrad für die kommende lange Nacht. Im angenehmen "Warteraum" für die Fähre (er besteht aus Tischen und Bänken am Hafen) geniessen wir die letzten Sonnenstrahlen, bevor ich mich, begleitet von Nötzlis Gitarre, wieder mal Adams zuwende. Nach einem kurzen Unterbruch um viertel nach 10 zwecks Fotografieren des letzten abendlichen Buskurses tippe ich mit klammen Fingern (inzwischen ist die Sonne hinter den Bergen verschwunden und es wird kalt) einen Tagesbericht in den PC, bevor ich dann kurz vor planmässiger Ankunft der Fähre zum Schluss gelange, dass ich ohne Bewegung keine grosse Hoffnung auf Wärme habe. Die Fähre kommt mehr als eine Viertelstunde zu spät, und ich bin zum Leidwesen Nötzlis bereits etwas nervös, nachdem am früheren Abend ein Einheimischer behauptet hat, sie fahre gar nicht heute. Sie fährt und nimmt uns mit über das einmal mehr sehr ruhige Meer Richtung Bodø, und nach einigen guten Fotos von der Mitternachtssonne bzw. ihrer Auswirkungen (die Sonne selber bleibt im Neben verborgen) richte ich mich auf einer der recht angenehmen Dreiersitzbänke für die Nacht ein.

Kommentar von Matthias    Ein kleines Bisschen enttäuscht bin ich schon, als ich das Strassenschild sehe. "Å i Lofoten" steht da und das, obwohl ich mich so gefreut hatte den wohl kürzesten Ortsnamen überhaupt, Å, angeschrieben zu sehen. Wo bleibt denn da der Spass? Die Fahrt hinaus auf die Inseln ist dafür wirklich schön anzusehen. Zum Schluss wird die Strecke zwar etwas zu kurvig für meinen Geschmack, aber das trübt den Ausblick keineswegs. Ganz im Gegensatz zu schon erwähnten Velofahrern, deren Tempo sich höchstens mit einer dauerhaft durchgedrückten Bremse erklären liesse. Trotzdem kommen wir irgendwann in Å an, wo uns eine nette kleine Fischerdorfidylle erwartet, wären da nicht diese lautstarken Laubblasgeräte, die natürlich unbedingt heute zum Einsatz kommen müssen. Nichts desto trotz eignen sich die Tische und Bänke im Zentrum des Dörfchens hervorragend für eine Partie Schach. Über deren Ausgang hätte ich lieber den Mantel des Schweigens liegen sehen, denn so unrühmlich bin ich schon lange nicht mehr untergeganen. Und das obwohl die schlafarme Nacht doch noch vor mir lag. Auch im Postkarten schreibn schlägt mich Jonas übrigens spielend. Er schreibt mindestens dreimal so schnell (und dabei erst noch leserlicher). Ich muss mich für heute wohl geschlagen geben. Dafür entdecke ich, dass das kleine Dörfchen Å beste W-Lan-Verbindungen bietet und starte die übrige Wir-haben-Netz-Routine. Aber auch mein Band von Per Anhalter durch die Galaxis kommt natürlich nicht zu kurz. Wenigstens ein Bisschen Vorsprung auf Jonas muss ich behalten, damit wir nicht das selbe Buch gleichzeitig lesen wollen. Zum Znacht gibts für mich mangels Sprachkenntnissen nur eine Kinderportion, schmecken tun Cervelat und Pommes aber trotzdem. Etwas Spannung kommt dann gegen Abend schon noch auf, als plötzlich das Gerücht die Runde macht, die nächste Fähre käme nicht um Mitternacht, sondern erst morgens um Sechs. Es hält sich dann auch hartnäckig in unseren Köpfen, bis das Motorengeräusch das nahende Schiff ankündigt. Nach diesem bangen Warten schläft es sich selbst auf einer Sitzbank hervorragend.

Bildergalerie vom 28.6.2010

  • 1a: Die Lofoten berauben mich tatsächlich der Worte. Ich muss hier die Bilder sprchen lassen...
  • 1b: ...
  • 1c: Haupterwerbsquelle nebst dem Tourismus ist hier die Fischerei und Fischzucht.
  • 2a: Entsprechend sind auch die Dörfer meist nah am Wasser gebaut - oder sogar im Wasser, wie hier in Hamnøy.
  • 2b: Der kleine "Hafen" mitten im Dorf von Å ist schon lange nicht mehr in Betrieb...
  • 2c: Um 00:30 kommt endlich die Fähre und sperrt ihr Maul auf, um nebst einigen Autos auch uns beide zu verschlucken.
  • 3a: Und während wir langsam einschlafen, zeigen sich die "Alpen Norwegens" noch einmal im besten (Mitternachts-)licht.
  • 3b: ...
  • 3c: ...
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