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Grong - Åndalsnes

Bericht von Jonas    Wir wecken uns gegen halb neun, und zum ersten Mal seit Helsinki gibt's eine ganz besondere Institution: Einen Duschraum mit mehreren Kabinen. Und die Zeit ist definitiv reif für ein wenig zweistimmigen Männerchorgesang... Frisch geduscht und ausserdem entbärtet verlassen wir kurz darauf das Hostel, um im Dorf im Rimi unser Frühstück zusammenzukaufen. Einmal mehr kommt für mich die altbewährte Kombination aus Schokomilch und Smoothie zum Zug, zum Zmittag kaufe ich Käsebrötchen und Salami. Der Bahnhof ist, wie wir gestern schon bemerkt haben, weit weg, und mangels Busfahrplan werden wir während dem Fussweg von einem Ortsbus überholt. Am Bahnhof sind wir (fast schon traditionsgemäss) viel zu früh, und ich kann noch den Regionalzug Nordwärts auf Festplatte bannen; Nötzli zuliebe beschliesse ich, meine Zeiten mit etwas weniger Reserve zu planen, aber wir werden ja sehen... Der Zug (ein zweiteiliger Diesel-Talent) ist zwar weniger komfortabel, aber dafür mit grösseren Fenstern ausgestattet als der gestrige IC, ausserdem bringt er uns zuverlässig nach Trondheim, es gibt also keinen Grund zur Klage. In Trondheim werden wieder mal Finanzreserven aufgebessert, für mich gibt's ausserdem eine grössere Serie Fahrpläne, und dann geht's auch schon weiter mit dem Neigezug nach Dombås, nun wieder im Diesel-Talent. Die Raumabahn wird dreisprachig kommentiert und verhindert so jede andersweitige Beschäftigung wie zum Beispiel Lesen oder seriöse Gespräche, aber die Strecke ist wirklich sehr sehenswert und ausserdem mit eineinhalbstunden für unsere Masstäbe sehr kurz. In Åndalsnes nimmt uns (nach dem unhöflichen Buschauffeur vom Vortag in Grong) ein sehr angenehmer Fahrer in seinem TimEkspressen-Bus Richtung Ålesund mit bis zum etwas ausserhalb gelegenen Vandrerhejm, wo wir bei der Chefin, einer (laut den Internetkommentaren berühmt-berüchtigt-launischen, uns gegenüber aber sehr netten) alten Dame persönlich einchecken. Das 6er-Zimmer ist noch fast leer, nur ein älterer Herr mit gestähltem Körper und verwirrtem Blick ist bereits auf einem unteren Bett stationiert. Wir richten uns ein, die restliche Zeit verbringen wir dann vor allem mit Lesen, und als wir gegen halb elf zu Bett gehen, schläft unser Genosse mit vollem Licht und bittet uns plötzlich mit wirrem Blick leicht stotternd, uns doch bitte draussen zu unterhalten (wir waren wegen dem Licht und dem Reiseführer neben ihm davon ausgegangen, er sei wach...

Kommentar von Matthias    Ich habe bis jetzt keine Antwort darauf gefunden, aus welchem Grund Badezimmer meist mit fabelhafter Akkustik aufwarten können. Das hat uns allerdings noch nie davon abgehalten, sie ausgiebig auszukosten. Leider nur zweistimmig trällern wir uns durch unser Chorrepertoir, was den morgendlichen Duschvorgang doch gleich viel unterhaltsamer macht. Hygiene mit Stil, nennt man das wohl. Trotz unserer ausgiebigen Morgendusche stehen wir mal wieder fast zu hervorragend in der Zeit, als wir auschecken, und dementsprechend auch viel zu früh am Bahnhof. Während diese Tatsache allein Jonas schon zu Genüge Unterhaltung ist, muss ich mal wieder auf die moderne Unterhaltungselektronik zurückgreifen. Zum Glück ist mein Ipod-Akku noch gut in Schuss und überbrückt die Wartezeit mühelos.
Da sich mein Interesse an einer Ladung Fahrpläne doch in Grenzen hält, ist alles was der Zwischenstop in Trondheim mir bieten kann eine Flasche Cola aus dem Getränkeautomaten. Wenigstens einmal eine Gelegenheit die Unmengen an Münzgeld los zu werden, die sich in den Tiefen meines Portemonnaies verkrochen haben. Um dreizehn Münzen ärmer und fünf Deziliter reicher kann die Reise weitergehen. Die Fahrt in der Raumabahn bietet wirklich schöne Ausblicke und selbst, wenn sie das nicht täte, würden einen die anhaltanden dreisprachigen Lobgesänge davon überzeugen.

Bildergalerie vom 2.7.2010

  • 1a: Kein Vergleich zum stilvollen BC5, aber dafür modern: die Talent-Triebzüge Typ 93.
  • 1b: Aufgrund grosser Müdigkeit bereits am Nachmittag (im 73er-Neigezug)...
  • 1c: ...gibt's von den Raumabahnen höchstens einige Alibi-Fotos. Mehr gibt's dann im Tagesbericht vom 4.7.
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