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Åndalsnes

Bericht von Matthias    Auf die Empfehlung der Hausherrin hin lassen wir uns an diesem Morgen Zeit mit Aufstehen und umgehen so elegant den frühmorgendlichen Ansturm auf das Frühstücksbuffet. Als wir gegen 9 Uhr in den Speisesaal kommen, ist der dann auch grösstenteils verwaist und die sightseeing-fixierteren Touristenmassen schon verschwunden. Wir hingegen nehmen uns für den Verzehr der üblichen Brötchenration ausgiebig Zeit. Nach dem Frühstück gehen wir zur Reception, denn anders als bei vielen anderen Gästen stand bei uns nicht ein Trip in die Berge zu oberst auf der Tagesordnung, sondern - eher unspektakulär - das Wäsche waschen. Dieses Mal allerdings nicht mit Handwaschmittel im Lavabo, sondern mit Hilfe der Chefin in der Waschmaschiene. Bei der Gelegenheit erkundigt sich Jonas gleich noch, ob das Klavier im Aufenthaltsraum bespielt werden dürfe, was ihm fast schon euphorisch bestätigt wird. Keine Frage, dass wir währenddem 95-minütigen Waschgang den Empfangsbereich mit Musik füllen. Als wir dann auch noch gut schweizerisch "Ewigi Liäbi" zum Besten geben, ist die Herrin des Hauses schwer beeindruckt. Nach unserem kleinen Konzert bleibt uns noch etwas Zeit um zu lesen und die nutzen wir bekanntlich gerne. Als die eineinhalb Stunden um sind, holen wir die Wäsche aus der Maschine und hängen sie am Wäscheständer im Garten auf. Es ist warm und windig draussen und man versichert uns, die Bedingungen zum Trocknen seien geradezu optimal.
Inzwischen ist die Mittagszeit angebrochen und der Hunger treibt uns in die Stadt, wo wir in einem Supermarkt Proviant besorgen, den wir noch auf dem Parkplatz vor dem Laden verspreisen. In der Nähe läuft derweil gerade ein Radrennen und wir sehen überall eifrige Velofahrer allen Alters in windschnittigen Trikots. Wir lassen uns vom allgemeinen Rummel nicht beeindrucken und gehen unbeirrt weiter ins Stadtzentrum, um dort für unser Abendessen zu rekognoszieren. Im Zentrum fassen wir ein italienisches Restaurant ins Auge und spazieren dann nach einem kurzem Abstecher zum Bahnhof (und anderen weniger freiwilligen Umwegen) zurück zur Jugendherberge. Den Nachmittag verbringen wir auf dem Vorplatz des Hostels bei bestem Wetter schreibend. Am frühen Abend zieht es mich dann allerdings in Richtung Fernseher, wo ich Deutschlands Triumpf über Argentinien in hauptsächlich germanischer Gesellschaft mitverfolge. Nach dem Match steht der Italiener auf dem Plan. Auf der Terasse des Restaurants geniessen wir beide eine durchaus schmackhafte Portion Spagetthi, die auf unserem bisherigen Speiseplan doch schändlich untervertreten gewesen sind. Nach beendetem Mahl bezahlen wir und brechen auf. Entgegen aller Vernunft missachte ich die Hinweise aus der Magen-Region und denke, für den Wc-Gang sei auch im Hostel noch Zeit. Spätestens nach der Hälfte des Rückweges erhöht sich mein Lauftempo dann allerdings drastisch und geradenoch rechtzeitig erreiche ich die Toilette in der Herberge. Dass ich während dem Rest des Abends dann mindestens viermal das Örtchen aufsuchen muss, lässt mich dann doch etwas an meinen Sprachkenntnissen zweifeln. Seit wann heisst Bolognese nochmals Abführmittel?
Während ich mich um meine Geschäfte gekümert habe, ist ein zweiter Zimmergenosse in unseren Raum eingezogen: Ein Herr aus Israel. Wir unterhalten uns ein wenig. Er fragt, woher wir kommen und wundert sich, dass man als Schweizer nach Norwegen reist. Wir hätten doch genug Berge, meint er. Ausserdem erzählt er uns von seinem beruflichen Werdegang, der vom Maschineningenieur über den Software-Entwickler zum Konstrukteur unbemannter Vehikel führte. Nachdem unser Gesprächspartner beschliesst, noch in die Stadt zu gehen, bestimmt die nächste Fussballpartie, Paraguay gegen Spanien, den Rest meines Abends. Auch hier muss ich eine Niederlage der Südamerikaner hinnehmen. Das reicht mir dann an Übel für den Tag. Das Bett ruft laut und deutlich meinen Namen.

Kommentar von Jonas    Die Wäsche ist wirklich langsam an der Zeit, und auch ein wenig Klavierspiel ist nicht schlecht für unterforderte Pianistenhände. Natürlich hätte mich die längste Passstrasse Norwegens auf die Trollstigen interessiert - aber man kann es auch übertreiben mit früh aufstehen in den Ferien, denn der Bus würde um 8:15 fahren und die schlechten Fahrpläne der Norwegischen Staatsbahnen zwingen uns oft genug zu frühem Aufstehen. Die Norwegischen Fahrpläne sind es denn auch, die mich am Nachmittag und vor allem während den Nötzlischen Fussball- Sessions beschäftigen. Bis am Abend steht ein Entwurf für ein neues Bahn-Bus-Kernnetz in Nordnorwegen...
Auch ganz interessant ist für mich aber am Mittag das Busdepot, das direkt auf dem Weg zum Bahnhof liegt. Ein bisschen Erstaunlich ist es schon, dass mitten in der Hochsaison fast die ganze Flotte des Betriebes herumsteht! Der Rückweg zieht sich dann leider etwas in die Länge, denn meine vermeintliche Abkürzung geht doch nicht ganz so geradeaus, und die komplizierte Geografie und insbesondere die 270-Grad-Kurve der Bahnstrecke verwirren mich zusätzlich. Ansonsten gibt es eigentlich nicht viel Anzuhängen: Während dem zweiten Fussballspiel (über dessen Resultat ich wie schon beim ersten Spiel Nötzlis Meinung teile) schreibe ich fast eine Stunde an einem Entwurf für eine nicht ganz einfache Postkarte (und beginne mich langsam zu fragen, warum ich mir überhaupt vorgenommen habe, diese Postkarte zu schreiben), ausserdem muss ich die Nötzlischen Sprachvergleiche korrigieren: Bolognese scheint nichts mit Abführmittel zu tun haben, denn auch meine Carbonara zwingt mich verschiedentlich Richtung Latrine...

Bildergalerie vom 3.7.2010

  • 1a: Eine der beliebtesten Bergsteigerstädte Norwegens liegt am Meer. Unglaublich aber wahr...
  • 1b: Langsam geht es gegen Sonnenuntergang. Ein Bild, das uns in den letzten Wochen eher selten begegnete!
  • 1c: Und auch die Aussicht von der Jugi, die etwas ausserhalb liegt, ist wieder einmal wunderschön.
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