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Åndalsnes - Oslo

Bericht von Jonas    Der Tag beginnt mit der Feststellung, dass wir seit gestern Abend zu fünft im Zimmer sind. Über diesen Schreck gibt's erst mal eine warme Dusche, und zum ersten Mal überhaupt hier oben gibt es keinen Grund zur Klage über die Technik. Das anschliessende Frühstück stärkt uns für den ersten Sonntag unserer Reise, der ohne Probleme bei der Nahrungsversorgung über die Bühne geht. Wir verlassen kurz nach 8 Uhr das Vandrerhejm Richtung Bahnhof, wo wir unglaublicherweise ganze 45 Minuten zu früh eintreffen. Der Zug ist trotzdem bereits da und wir steigen ein, kurz darauf taucht auch unser Zimmergenosse aus Israel auf. Er spricht kurz mit uns, löchert dann die eben aufgetauchte Kondukteuse mit Fragen und verschwindet plötzlich, nicht ohne den Rucksack auf einem Platz in der Reihe hinter uns deponiert zu haben. Der Rucksack wird in den nächsten 45 Minuten zum Spielball der Sitzreservationsmächte, der Herr tritt aber erst in Dombås wieder auf den Plan, als er seelenruhig seinen Rucksack abholt. Die Fahrt bis dorthin zeigt uns die Raumabahnen in einem deutlich besseren Wetter als zwei Tage zuvor - trotzdem wäre wohl Nötzli lieber an der Stelle des kleinen Jungen im Abteil daneben gewesen - der hatte nämlich einen Nintendo DS samt Spielen! In Dombås steigen wir dann also um in den Intercity nach Oslo, sehr zu meiner Freude gezogen von einer EL18, in der Schweiz besser bekannt als Lok 2000 und in Winterthur entwickelt und gebaut. Weniger Freude bereiten mir die Wagen, die, obwohl erst knapp über 20 Jahre alt, einen etwas verstaubten Charme bieten und mit ihrem schlechten Lauf die Niederschrift in mein Tagebuch eher erschweren. Das Hauptproblem des Fahrzeuges zeigt sich allerdings ab Lillehammer, denn nun wird es richtig warm draussen, und die Klimaanlage kann mit den Aussentemperaturen nicht mehr mithalten. Ich bin froh, als der Zug in Oslo ankommt. Für einmal ist die Information schnell gefunden, ebenso das Tram 13, das uns bis Storo bringen dürfte. Auch der Kauf eines Einzelbillets am Automaten ist schnell abgewickelt, nachdem eine Einheimische nach 20 Versuchen, der Kiste eine 100er-Note zu füttern, endlich eingesehen hat, dass der 21. Versuch wohl nicht mehr Erfolg bringen werde. In Storo stellen wir dann allerdings fest, dass der 56er-Bus am Sonntag nur einmal pro Stunde fährt - zum letzten Mal 3 Minuten vor unserer Ankunft. Das bedeutet einen 20-Minütigen Fussmarsch bergaufwärts ab der Tramhaltestelle Grefsen Stadion, aber wir überleben auch den und sind rund eineinviertel Stunden nach der Ankunft im Zimmer. Nach kurzer Entspannung brechen wir gleich wieder auf, diesmal zur Tramendstation, die Feststellung, dass es dort keinen Billetautomaten gibt und das Einzelbillet beim Fahrer fast doppelt so teuer ist, treibt uns zum nahem Bahnhof der Gjovikbahnen, wo auch tatsächlich nach wenigen Minuten ein mit unserem Interrail gratis benützbarer Zug ins Zentrum von Oslo fährt. Im Hautpbahnhof essen wir wieder einmal Baconpølse zum Znacht, danach kaufen wir uns ein 8er-Pack Rosinenbrötchen, welche uns übrigens schon heute den ganzen Tag über ernährt haben. Frisch verproviantet geht's mit dem Tram wieder zurück Richtung Hostel, und einmal dort angekommen, verbringen wir den Abend einerseits lesend, andererseits Schach spielend, wobei ich beide Partien nicht zu meinen Gunsten wenden kann - immerhin spiele ich beim Zweiten Mal nach grossen Fehlern von beiden Seiten ein Patt heraus (Im Vergleich zu Nötzlis Chancen, mich Matt zu setzen, ein Grosserfolg...).

Kommentar von Matthias    Da ich keine Ahnung habe, wann der fünfte Mitbewohner den Weg in unser Zimmer fand, bin auch ich einigermassen erstaunt, ihn am Morgen anzutreffen. Weniger erstaunt mich dann allerdings die Tatsache, dass wir zu früh am Bahnhof sind. Das verkommt fast schon zur Gewohnheit, auch wenn 45 Minuten doch etwas happig sind. Aber wenigstens haben wir dank getätigter Reservation unsere Sitzplätze im Zug schonmal auf sicher und könnens uns in aller Ruhe bequem machen. Wobei, unser israelischer Mitreisende scheint das ja auch ohne reservierten Platz problemlos tun zu können. Den Rucksack einfach in ein beliebiges fremdes Abteil auszulagern verspricht sicher genügend Platz im eigenen. Welch geschickter Schachzug! Auch bei erneuter Fahrt mit der Raumabahn mangelt es der Strecke keineswegs an sehenswertem Panorama. Dass ich mir aber dabei die selben endlosen Bandansagen einfach in umgekehrter Reihenfolge anhören soll, geht ja aber mal gar nicht. Wie willkommen ist da doch die unterhaltende Gesellschaft eines kleinen videospielenden Jungen. Schon nach kurzer Zeit trällern wir zweistimmig die Super Mario-Melodie durch den Wagon. Seine Ausdauer lässt allerdings zu wünschen übrig, denn schon nach kurzer Zeit zieht er die "Transformers" dem Nintendo-Klassiker vor. Die Jugend von heute...
Ausdauer ist dann auch in unserer nächsten Fahrt von Dombås nach Oslo gefragt. Die zunehmende Hitze im Wagen wird immer unerträglicher. Da freut man sich doch gleich doppelt, wenn man das Tagesziel, Oslo, erreicht hat. Vor dem Bahnhofsgebäude tanzen irgendwelche bunt gekleideten Indianer zu einer nicht endenwollenden Schleife von Synthesizer-Sounds gemischt mit Pfeifen-Melodien. Das ganze Spektakel dient zur Ankurblung der Souvenirverkäufe. Das Hauptstadt-Norwegens-Gefühl bleibt da doch etwas auf der Strecke. Aber glücklicherweise liegt unser Hostel ja weitab des Stadtzentrums und wir bleiben vor derartiger Abendunterhaltung verschont. Stattdessen messen wir uns mal wieder im Schach. Und ich frage mich noch lange , wie man eine Partie, in der man problemlos an drei Damen hätte kommen können, patt enden lassen kann...

Bildergalerie vom 4.7.2010

  • 1a: Die Wasserfälle entlang der Raumabahnen sind auch für Schweizer erstaunlich, zumal sie gleich im Multipack auftreten.
  • 1b: Das Tal im allgemeinen scheint sich aber von den anderen Landesteilen nicht gross zu unterscheiden...
  • 1c: Eine echte Abwechslung sind dagegen die breiten Meeresarme und die flachen Hügel um Hamar (und auch das Sommerwetter, das wir aber lieber draussen oder mit potenterer Klimaanlage genossen hätten...)
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