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Voss

Bericht von Jonas    Um 7:45 wecken wir uns, wobei Nötzli scheinbar schon länger wach ist. Das Frühstück in Voss ist endlich einmal wieder richtig reichhaltig und stärkt uns für eine der ÖV-mässig spannendsten Tage. Um 9:07 fährt unser Neigezug ab Voss nach Myrdal, und obschon ohne Reservation unterwegs, finden wir für die 45 Minuten dauernde Fahrt genügend Platz. Nichtsdestotrotz tadelt uns der Kondukteur, dass wir einfach die erstbesten freien Plätze geschnappt haben, und nur die Tatsache, dass wir ohnehin am nächsten Halt aussteigen, besänftigt ihn wieder (soviel zum Thema "Reservation möglich, aber nicht obligatorisch"). Die einstündige Pause dient mir zum schreiben diverser Postkarten, die hier wendenden Regionalzüge werden natürlich fotografisch verewigt. Um 10:55 fährt dann der grüne Zug der Flåmsbana ab, nebst uns sind diverse nervös herumrennende Touristen aller Herren Länder im Zug, welche uns gemütlich sitzenden Routinebahnfahrern die Aussicht streitig machen. Irgendwie gelingen uns doch noch ein paar schöne Fotos, und wir sammeln genug Eindrücke, um die Bahn als wirklich sehenswert bezeichnen zu können. Ebenso spannend wie die Bahn selbst ist aber das Museum in Flåm, das wir anschliessend unter die Lupe nehmen; Ein angenehmer Nebeneffekt, dass es für die vielen Pauschalreisenden nicht obligatorisch ist. Mit einem neuen T-Shirt ausgerüstet und frisch gestärkt durch (bereits ältere) Rosinenbrötchen geht es dann um 13:20 mit dem Schiff Richtung Gudvangen, wobei zuerst einmal eine Pølse und ein Pack Speck-Chips den Zmittag abrunden. Die Durchsagen im Schiff sind ebenso international wie die Fahrgäste (8 Sprachen ab Band gilt es zu ertragen), die Strecke aber tatsächlich sehenswert. Schon der Aurlandsfjord ist schön, aber der Nærøyfjord, der schmalste Meeresarm der Welt, ist genau das, was man sich unter einem echten Fjord vorstellt. Da kann auch das schlechte Wetter nichts daran ändern, das uns dann in Gudvangen schon auf den früheren Bus treibt (endlich mal wieder ein Mercedes-Vehikel: Wir sind definitiv zurück in der Zivilisation). Er fährt als Teil der Rundreise "Norway in a Nutshell" zusätzlich einen Umweg über eine der ältesten und steilsten Bergstrassen Europas: 1844 erbaut ist sie 18% steil, 1.5 Kilometer lang und teilweise direkt in den Fels gehauen entlockt sie dem deutschen Mädchen vor uns Entsetzensschreie; Wie ihr wohl das Kiental gefallen würde? Jedenfalls erreichen wir wohlbehalten nach eineinhalb Stunden den Bahnhof Voss und begeben uns erst mal in den Spar, wo wir uns unseren heutigen Znacht kaufen: Es gibt wieder einmal Pizza. Danach warten wir aber erst noch am Bahnhof den 17:36-Zug nach Oslo ab, dessen Komposition vollständig aus altem Material besteht und für mich deshalb unbedingt zum Fotoprogramm gehört. Danach laufen wir in die JH, wo wir sofort gestaffelt unsere Pizzas backen (es gibt leider nur ein Blech). Die Dänisch-Deutsche Familie gesellt sich kurz darauf ebenfalls wieder zu uns, weshalb wir nach dem Essen noch ein paar Minuten in der Küche verweilen. Danach kommt routinemässig wieder mal der Upload von 2 Tagesberichten auf die Pendenzenliste, und gegen viertel vor 10 wechseln wir nach getaner Arbeit ins nur noch mit einem einzelnen Engländer geteilte Zimmer, wo ich die letzte Postkarte auf meiner Liste endlich schreibe (die betreffende Person wird es dann schon noch erfahren).

Kommentar von Matthias    Nicht nur scheinbar, sondern tatsächlich ist meine Nacht alles andere als erholsam. Etwa morgens um Vier wache ich auf. Muss mal. Das Geschäft ist schnell erledigt und ich bereit, wieder ins Bett zu Hüpfen und den kleinen Zwischenfall schnell zu vergessen. Bloss einschlafen kann ich dann nicht. Der Grund: Alle meine Mitbewohner schnarchen. In dem total arythmischen Konzert verstopfter Nasenhölen kriege ich auch nach einer Stunde noch kein Auge zu, weshalb ich mich um fünf mit meinem fünften Band Per Anhalter durch die Galaxis ins Foyer zurück ziehe. Ich lese zwei Stunden bei wunderbarer Stille, ehe ich dann zurück ins Schlafzimmer gehe, wo ich mit Freuden feststelle, dass der am lautesten schnarchende Kollege inzwischen aufgestanden ist. Ich lege mich ins Bett und schlafe gleich mal eine Stunde, bis um Acht dann auch schon Jonas Wecker klingelt. Etwas widerwillig stehe ich auf. Auf der folgenden Rundreise bin ich dann froh, dass wir in entgegengesetzter Richtung zu den ganzen Kreuzfahrttouristen unterwegs sind, die in Myrdal zu Dutzenden aus der Flåmsbana strömen. In unserer Fahrtrichtung ist die Bahn dann doch wesentlich weniger voll. Allerdings stehen die meisten unser Mitreisenden mit gezückten Fotoapparten bereit, um dann wie auf Kommando alles festzuhalten, was die Ansage erwähnt. Als wir unten ankommen zeigt sich mir ein in meinen Augen doch sehr absurder Anblick. Inmitten des von Bergen umrahmten Tals steht ein gewaltiges Kreuzfahrtschiff. Dass ich aufgrund meines Blickwinkels kein bisschen Wasser sehen kann, mag den Eindruck noch verstärkt haben, aber auch so hab ich selten so etwas Unpassendes gesehen. Dass die Gegend touristisch ist, verrät dann auch die achtsprachige Ansage während unserer Schifffahrt, die an Nerv-Potential die der Raumabahn mit links übertrifft. Französische Ansagen gab es interessanter Weise keine. Aber auch die Rückfahrt mit dem "Norway in a Nutshell"-Bus war speziell. Der Chauffeur versuchte schon zu Beginn für etwas Stimmung zu sorgen. "The trip to Voss takes two days, enjoy", entlockte dann auch mir ein Schmunzeln. Die Fahrt über die unabstreitbar steile Strasse war dann auch ganz amüsant, vor allem wegen der Reaktion der übrigen Passagiere. Sie applaudierten dann auch brav, als wir heil unten angekommen waren.

Bildergalerie vom 6.7.2010

  • 1a: Die Flamsbahn stellt unser letztes grosses Bahnerlebnis in Norwegen dar.
  • 1b: Aber nicht nur für uns eines der grössten (aufgescheuchte Touristen am Kjosfossen).
  • 1c: Trotzdem gilt: Einfach chillen und lächeln.
  • 2a: Und das Fotografieren selbst nicht vergessen (Wie sonst sollte man Jonas unbeobachtet selbst ablichten?)
  • 2b: ...
  • 2c: In Flåm sind wir definitiv nicht die einzigen Touristen. Die meisten sind allerdings per Schiff da (es überragt wieder mal den ganzen Hafen).
  • 3a: Trotz mässigem Wetter...
  • 3b: ...ist schnell klar, weshalb der Nærøyfjord zum Unesco-Inventar gehört. So sieht also der schmalste Meeresarm der Welt aus.
  • 3c: Die Rückfahrt von Gudvangen über die steilste Strasse Norwegens ist auch für erfahrene Busfreaks wie mich ein Erlebnis...
  • 4a: ...und für die Chauffeure der immerhin 12.9 Meter langen Wagen eine Herausforderung.
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