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Voss - Bergen

Bericht von Matthias    Ein neuer Tag, eine neue Herausforderung. An diesem Morgen stellt diese sich uns schon kurz nach dem Aufstehen. Die Dusche unseres Zimmers erweist sich als eine eindeutige Fehlkonstruktion. Zweierlei Probleme haben wir dabei. Zum einen hält der Wasserstrom nach einmaligem Betätigen des Knopfes nur gefühlte fünf Sekunden, was zur Folge hat, dass wir den ganzen Duschvorgang angelehnt an den Wasserknopf vollführen müssen. Der zweite und wesentlich seltsamere Fehler ist, dass der Abfluss aus für uns absolut unerklärlichern Gründen an der höchsten Stelle des Fussbodens platziert ist. Das hat zur Folge, dass man mehr Zeit im Bad damit verbringt, das Wasser in den Abfluss zu schabbern, als mit Duschen. Trotz diesen Widrigkeiten bringen wir aber diese erste Station morgendlicher Hygiene erfolgreich hinter uns und können zum Frühstück voranschreiten, wo ich mir mal wieder die obligatorischen Käsebrote zu Mund führe. Nach dem Zmorgen geht es dann auch schon ans Packen. Wir ziehen die Bettwäsche ab, verabschieden uns von Matt, unserem letzten verbliebenen Mitbewohner und checken dann an der Reception aus. Draussen auf dem Parkplatz ist die deutsche Familie auch schon mit dem Beladen ihres Autos beschäftigt und wir verabschieden uns ein letztes Mal. Auch der kleine Mark wünscht uns lautstark eine gute Reise. Dann gehen wir los, zu Fuss in Richtung Bahnhof. Nach wenigen Minuten fährt ein Wagen an uns vorbei. Er verlangsamt kurz und aus den Fenster strecken sich lachende Gesichter und winkende Hände hervor. Ich winke zurück mit dem Gefühl, dass ich sie tatsächlich etwas vermissen werde.
Am Bahnhof Voss nehmen wir den Zug nach Bergen. Die Fahrt dauert etwa eineinviertel Stunden. Um 12:05 Uhr kommen wir an. Hier stellt sich uns eine nächste Herausforderung. Wir suchen die Bus-Info. Stets einer wirren Beschilderung folgend irren wir kreuz und quer um und durch den Bahnhof nur um es zum Schluss wenige Meter neben unserem Ausgangsort zu finden. Dahin gab es allerdings kein Schild. Gemäss den Informationen der Auskunftsperson verlassen wir den Bahnhof und begeben uns zu einer Busstation eine Strasse weiter. Hier werden wir gut norwegisch mit fehlenden Stationsnamen und dementsprechend wenig hilfreichen Fahrplänen empfangen. Wir warten, denn irgendwann muss der Bus ja kommen. Und tatsächlich taucht nach einiger Zeit ein Gefährt der Linie 31 auf, dass uns in die Nähe der Jugendherberge bringt. Die richtige Station finden wir natürlich nur auf gut Glück. Wir checken ins Hostel ein und beziehen unser Zimmer. Es hat vier Betten, von denen zwei bereits belgegt sind, was die Bettwahl doch relativ leicht macht. Befreit vom Grossgepäck gehen wir in den nächsten Supermarkt einkaufen. Von da aus geht es mit dem Bus weiter ins Stadtzentrum. Zu Fuss legen wir den Weg zu unserem nächsten Tagesziel zurück, dem Bergen Aquarium. Dort verbringen wir den Nachmittag in Mitten zahlreicher Fische, Krebse, Alligatoren, Rochen und vielem mehr. Mein letzter Zoo-Besuch liegt doch schon einige Jährchen zurück und die Vielfalt der Tiere vermag mich zu faszinieren. Nachdem wir uns die sämtliche Bandbreite des Aquariums (mit Ausnahme der kostenpflichtigen 3D-Filme) zu Gemüt geführt haben, gehen wir nach draussen und schauen noch eine Weile den Pinguinen im Freien zu. Wir amüsieren uns königlich ab den watschelnden Frackträgern.
Auf dem Rückweg ins Hostel machen wir noch einen Abstecher durch den Fischmarkt und einen Zwischenstop im Burgerking. Zurück im Zimmer lesen wir erstmal ausgiebig, gehen dann in den Aufenthaltsraum und schreiben noch zwei Berichte. Zeit dafür haben wir, denn zum Leidwesen vieler Gäste wird der WM-Halbfinal vom dortigen Fernsehgerät nicht empfangen. Über meinen Ipod können aber wir dennoch den aktuellen Stand der Dinge verfolgen. Zurück im Zimmer gehen wir ins Bett. Während Jonas schon schläft lese ich noch bis Mitternacht am fünften Teil der vierbändigen Per Anhalter durch die Galaxis-Trilogie. Nach der Zerstörung der Erde gebe dann auch ich mich der Nachtruhe hin.


Kommentar von Jonas   Es kommt noch ein drittes Problem zur Dusche hinzu: Die Brause hängt nur wenige Zentimeter unter der Decke des doch recht hohen Raums und dasziemlich kalkige Wasser kommt nur mit mässig Druck herunter (ein grosser Teil fällt direkt an mir vorbei in den grossen See, der das ganze Badezimmer ausfüllt). Das frühstück fällt bei mir wieder einmal sehr reichhaltig aus - als ob ich spüren würde, dass es das letzte wirklich vollständige skandinavische Frühstück auf unserer Reise sein wird. Die Zugsetappe ist für einmal wirklich kurz, und die Norwegischen Regionalzüge sind sehr angenehm und Gepäckfreundlich. In Bergen erhalte ich dann wieder mal die Strafe dafür, dass ich mir die Anreise ins Hostel nicht ganz, ganz genau gemerkt habe: Eine Tourist Info gibt's nicht, und die Businfo liegt nicht wirklich in der Nähe der Stadtbusabfahrten (wobei die Abfahrt von unserem 31er auch nicht in der Nähe des grossen Busbahnhofs liegt. Der Fahrplan ist wirklich wunderbar: Angezeigt werden die Abfahrtszeiten ab der Endhaltestelle. Haltestellennamen fehlen, wir haben also schlicht keine Ahnung, wo wir uns gerade befinden. Im Bus gibt es natürlich keine Haltestellenansagen, und die passende Haltestelle sehen wir nur aus dem vorbeifahrenden Bus, wir müssen also zurücklaufen vom nächsten Halt. Die Busse sind, ganz im Gegensatz zu Oslo, wieder typisch Skandinavisch, also Sitzplatzoptimiert und für Reisende mit Gepäck eher mühsam. Dafür gefällt auch mir das Aquarium, es ist seien Preis definitiv wert, und gerade die Pinguine würden mich noch länger in ihren Bann ziehen, wenn ich nicht so Hungrig wäre. Der Fischmarkt ist allerdings am Abend nicht mehr so ergibig, weshalb ich mir das neueste BurgerKing-Angebot genauer unter die Lupe nehme und als scharf, aber gut deklariere. Übrigens lernen wir beide Zimmergenossen nur sehr flüchtig kennen. Der eine von Ihnen, Afrikanischen Aussehens, taucht ganz kurz auf, schnappt sich seine beiden Designersäcke und verschwindet wieder (er taucht wohl erst wieder auf, als ich schlafe). Der zweite, dem Aussehen nach zu schliessen wohl irgendwo aus dem östlichen Europa, nimmt gleich seine ganze Ausrüstung und Bettwäsche mit und verschwindet auf Nimmerwiedersehen. s

Bildergalerie vom 7.7.2010

  • 1a: Im Montana-Hostel in Bergen werden wir auf recht amüsantes Deutsch mit den Brandschutzmassnahmen vertraut gemacht...
  • 1b: Pinguine im Bergener Aquarium. Sie fühlen sich fast beängstigend wohl bei den Temperaturen an diesem Tag...
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