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Bergen - Nachtzug Bergen-Oslo

Bericht von Jonas    0815 heisst die ideale Aufstehzeit, um nach einer Dusche und einem ausgedehnten Frühstück pünktlich zum letztmöglichen Zeitpunkt um 10:00 auschecken zu können. Heute haben wir sogar etwas Zeit vorig, weshalb wir uns zuvor nochmals die Mails anschauen und im "Lonely Planet" unser Programm zusammenstellen. 10:17 fährt dann der Bus talwärts (nachdem sich der im komplizierten Fahrplan eigentlich aufgeführte 10:08-Kurs als Niete herausgestellt hat) und bringt uns zum Bahnhof, wo wir uns ein Schliessfach nehmen und das schwere Gepäck unterbringen. Nur noch leicht beladen geht's weiter zu Fuss zum Naturhistorischen Museum, das allerdings zu unserem grossen Erstaunen von April-September wegen Umbau geschlossen ist (auch der offizielle Bergen Guide 2010 weiss nichts davon). Zum Glück liegt das Schifffahrtsmuseum praktisch daneben, weshalb auch der Reserveplan sofort bekannt ist. Nach rund 2 Stunden (für günstige 30 Kronen) verlassen wir das Haus nicht etwa, weil wir alles gesehen hätten, (nein, insbesondere die sehr spannende U-Boot-Ausstellung ist noch für allfällige weitere Reisen auf Lager), sondern weil uns unsere nicht so museumsgewohnten Beine kaum noch tragen wollen. Im Zentrum gibts nebst bequemen Designersteinen auch genügend Essensmöglichkeiten, und so kann ich mich sogar mal von einem mehr oder weniger gesunden Salat (mit "Pouletfleischerzeugnis"; Noch nie schmeckte Fleisch so zusammengesetzt) ernähren. Danach suchen wir uns ein gemütliches Restaurant für den Znacht; Vorerst werden wir aber nicht fündig. Dafür finden wir ein baltisches Brass-Quintet, dessen Musik mich so begeistert, dass ich mir gleich eine Jazz-CD kaufen muss. Schliesslich laufen wir mit Ziel Bryggen/Hanseatisches Museum weiter, vor dem Museum beschliessen wir aber, dass unsere Beine nicht bereit für noch eine Session seien. Stattdessen schwebt uns nun der Fløyen vor, doch die Schlange bei der Talstation hält uns davon ab und treibt uns vorerst in den grosszügigen Stadtpark, wo wir fast zwei Stunden verweilen (Nötzli versucht, seine Reisenotizen etwas nachzuführen, während ich mich vor allem dem Studium der Parkbesucher(innen), der Tauben und meiner Guezli widme. Danach scheint uns ein neuerlicher Bergversuch angebracht, und durch eine deutlich kürzere Schlange erreichen wir die einzige Standseilbahn Skandinaviens, die uns (mit Schweizer Kabinen natürlich) auf den Fløyen bringt. Dort gönne ich mir erst mal ein Cornet, während wir ausgiebig die schöne Aussicht geniessen. Zu Fuss geht's dann gelegentlich zurück in die Stadt, wo wir uns erneut auf die Suche nach einem Restaurant machen. Diese gestaltet sich ausgesprochen schwierig, das Preisniveau ist zwar nicht höher als anderswo im Land, aber es fehlen ganz einfach die günstigen Gerichte auf den Karten. Schliesslich gibt's im "Egon" Lasagne, im recht hohen Preis ist immerhin ein kleiner Salat imbegriffen (was mich gleich doppelt erfreut, denn Nötzli ist kein besonderer Salatfan und vermacht sein Grünzeug mir). Danach geht's zu Fuss weiter zum Bahnhof, wo wir uns in der vordersten Wartereihe stationieren und uns wiederum den Reisenotizen zuwenden (ich lese zusätzlich auch den 5. Adams weiter, ausserdem bleibt noch Zeit für einige Fotoversuche auf dem Bahnhofplatz. Kurz nach 22 Uhr können wir dann bereits in den 22:58-Zug nach Oslo einsteigen und unsere Plätze beziehen. Nachdem ich vorerst weiter Adams gelesen habe, entschliesse ich mich kurz nach Abfahrt zur Nachtruhe mithilfe der im Preis imbegriffenen Schlafutensilien (ein aufblasbares Kissen, eine kleine Decke, eine Augenbinde und Ohropax). Erstaunlich schnell schlummere ich auf dem (nicht besonders stark verstellbaren) Zweitklasssitz ein.

Kommentar von Matthias    Es überrascht mich nicht weiter, dass der erste 31-Bus den wir an diesem Morgen zu sehen bekommen einfach an uns vorbeisausst. Wäre doch gelacht, wenn man dann einsteigen könnte, wenn es der Fahrplan verspricht. Aber auch daran gewöhnt man sich bestimmt irgendwann. Überhaupt scheint Touristeninformation für Bergen ein Fremdwort zu sein, denn dass das naturhistorische Museum während der ganzen Sommersaison geschlossen hat, verschweigt der Bergenguide natürlich. Dankbarerweise kommen wir so in den Genuss des Schifffahrtsmuseum, wo wir während zwei Stunden von den frühen Wikingerschiffen bis zu den Polarexpedition doch Einiges zu sehen bekommen. Wie Jonas schon erwähnt hat geht uns beim letzten Teil, der U-Boot-Ausstellung dann leider etwas die Puste aus. Trotzdem haben sich die dreissig Kronen als gute Investition erwiesen. Auch für 100 Kronen finden wir aber während der nachfolgenden Restaurantsondierung kein Hauptgericht. Bergen ist ein teures Pflaster. Entschädigt werden wir dafür dank der kostenlosen Strassenmusik des Brass-Quintents, dessen Konzert wir bis zum Ende mitverfolgen. Nachdem uns eine übermässige Ansammlung von Senioren zunächst vom Seilbahnbesuch abhält, finden wir etwas Erholung im Park. Neben meinen Reisenotizen kritzle ich auch einige Ideen für neue Magic-Decks auf meinen Schreibblock. Mann will ja nicht aus der Übung kommen. Guetzli kommen bei mir natürlich auch nicht zu kurz. Ausserdem haben wir unseren Spass daran, Leute beim Vor-Tauben-Fliehen zu beobachten. Man sollte die Viecher halt nicht füttern. Vom Park aus geht die Entspannung nach der Seilbahnfahrt dann auch gleich auf dem Berg weiter, von wo aus meine eine wunderbare Aussicht über die Stadt hat. Die Speisekarte des Bergrestaurant vermag uns dafür nicht wirklich zu überzeugen. Aber auch nach dem Spaziergang zurück ins Tal machen uns die Restaurants keine Freude. Dass ich für meine Lasagne und einen Apfelsaft dann umgerechnet 40 Franken bezahlen muss, gefällt meinem Portemonnaie gar nicht.

Bildergalerie vom 8.7.2010

  • 1a: Erstes Ziel: Schifffahrtsmuseum. Nicht nur die Ausstellung, auch die Aussicht ist noch ganz angenehm...
  • 1b: Später wird dann im Park fleissig gechillt. Den Sinn des Silberwürfels haben wir allerdings trotz längerem Studium nicht eindeutig bestimmt.
  • 1c: Panorama über die Stadt. Die Hurtigrute, deren Schiffe uns immer wieder begegnet sind, haben hier südliche Endstation...
  • 2a: Die Schweiz ist hier bereits wieder präsent: Diese "Lok 2000" stammt unverkennbar aus Winterthur!
  • 2b: In diesem Wagen verbringen wir die nächste Nacht. Nichts mit bequemen Betten...
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