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Oslo

Bericht von Matthias    Oslo, 06:50. Der Morgen nach einer Nacht im Schlafzug. Nach unserer Ankunft haben wir uns auf Sitzbänken niedergelassen und erstmal Frühstück besorgt. Für mich gibt es Pølse. Da die ersten Museen in Oslo erst gegen Zehn aufmachen, haben wir genügend Zeit, um nach einer mässig bequemen Nacht etwas zu entspannen. Ich nutze sie für das wiedermal dringend nötige Nachführen meiner Tagebuchaufzeichnungen. Ein Essensstand in der Nähe verhilft uns ausserdem zu kostenlosem Internetempfang. Ein immer gern genutztes Angebot. Bis um halb Neun verbringen wir so den Morgen im Bahnhof. Dann brechen wir auf und bahnen uns zu Fuss einen Weg durch die norwegische Hauptstadt. Unser Ziel ist eine öffentlich zugängliche Festungsanlage, wo wir uns nach einem dringend nötigen Klobesuch bei sonnigem Wetter in die Wiese setzen. Das örtliche Pissoir ist etwas eigenartig, denn schon beim Betreten des Raumes spült es einmal kräftig. Bis das Geschäft erledigt ist sind dann drei bis vier Spülgänge ins Land gegangen. Ökologisch ist das nicht. Auf der Wiese geniessen wir die Sonne, lesen und auch meine Gitarre kriegt mal wieder etwas Farbe. Einige Zeit später öffnet dann unser nächstes Ausflugsziel seine Pforten: Das in der Festungsanlage untergebrachte Widerstandsmuseum. Dort tauchen wir ein in die Jahre 1940 bis 1945 und werden dabei Zeuge von Blitzkriegen und Sabotageaktionen, öffentlichem Protest und Untergrundbewegungen und vielem mehr. All das anhand von spannenden Austellungsgegenständen, anschaulichen Modellen und umfassenden Textwänden. Alles in allem eine empfehlenswerte Ausstellung.
Nach dem Museum wird es Zeit für ein Mittagessen. Im Café Cathedral essen wir Pizza und beobachten das Treiben der Leute, die durch die Einkaufsstrassen pilgern. Nach dem Essen wollen wir uns die Nationalgalerie ansehen. Auf dem Weg dorthin haben wir ein Wiedersehen mit der Brass-Formation, die wir schon Tags zuvor in Bergen hören durften. Auch sie hat es nach Oslo verschlagen. In der Galerie angekommen zeigt sich dann, dass unsere Kondition für zwei Museumsbesuche an einem Tag mehr schlecht als recht ausreicht. Zwar wissen einige der Bilder uns durchaus zu begeistern (vor allem Landschaftsbilder, aber auch der bekannte "Der Schrei"), aber alles in allem gehen wir doch eher anteilnahmslos durch die Auststellungsräume und entscheiden uns dann bald, zurück ins Hostel zu gehen. Auf dem Rückweg sehen wir noch einen Strassenkünstler, der nach gut zwanzig Minuten Gerede dann doch noch seinen Trick - Er lässt eine brennende Kugel über seinen Körper rollen - vorführt und dabei stets die Wichtigkeit des Weltfriedens betont. Wem's Spass macht... Wir auf jeden Fall gehen weiter zum Bahnhof, wo wir wieder den Zug in Richtung Jugi nehmen. Bei ungewohnt hohen Temperaturen schleppen wir uns mit vollem Gepäck dem altbekannten Hügel hinauf und checken zum zweiten Mal in der Osloer Herberge ein. Man erkennt uns wieder. Nach dem schweisstreibenden Aufstieg springen wir als erstes unter die Dusche, danach relaxen wir ein wenig bei Musik und Literatur. Unsere Mitbewohner, drei Künstler aus Israel, die ihre Bilder norwegischen Galerien schmackhaft machen wollen, sind gerade dabei eben diese zu verpacken. Nach dem Znacht, den wir zuvor noch im Bahnhof gekauft haben, nutzen wir noch die örtlichen Computer um Mails abzurufen und etwas zu surfen. Während ich gegen 20:00 Uhr dann schlafen gehe (und dank meiner Nachtzug-Ausrüstung bestens für das Schlafen bei Tageslicht gerüstet bin), schreibt Jonas noch bis um Neun. Dann übermannt auch ihn der Schlaf. Eine Nacht nicht auf Rädern zu verbringen hat durchaus seine Vorzüge.
Kommentar von Jonas    Obschon meine Nacht kürzer als die von Nötzli gewesen ist (ich war bereits gegen 4 Uhr hell wach und verbrachte die Strecke zwischen Honnefoss und Oslo lesend), habe ich den Tag wohl besser überstanden. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mich zum Frühstück gegen eine erste Wurstration und für Smoothie, Schokomilch und das erste Croissant seit bald drei Wochen entschieden habe. Das Widerstandmuseum ist tatsächlich eine spannende Angelegenheit, scheinbar aber nicht für alle, wir wurden in der Ausstellung regelmässig durch andere Besucher überholt. Zum Zmittag gibt's für mich nicht schon wieder Pizza, sondern eine (lächerlich kleine) Moussaka mit Salat. Der Nachmittag in der Stadt ist dann für mich definitiv zu warm, und Nötzlis Laune ist sogar an einem regelrechten Tiefpunkt angelangt. An seiner Müdigkeit kann auch die Dusche nicht viel ändern, und gewisse Leute behaupten, er sei sogar schon vor dem Znacht ins Reich der Träume abgedriftet, während ich mich an Frisch's Chinesischer Mauer versucht habe. Nach dem Essen halte ich mich noch mit Tagesberichten wach, wobei auch die drei Israeli dazu beitragen, dass ich nicht einschlafe (auch das Malereihandwerk verursacht in gewissen Stadien mehr geräusche, als man gemeinhin denkt...) Meine früheste Nachtruhe seit langem wird es trotzdem, als die drei Israeli um 21 Uhr beschliessen, die Stadt noch etwas zu erkunden.

Bildergalerie vom 9.7.2010

  • 1a: Good morning Oslo - ein langer Tag steht bevor...
  • 1b: ...dabei haben die Museen noch nicht mal geöffnet. Wir warten im Park (und danach sind wir zu müde, um zu fotografieren...)
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