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Göteborg - Kopenhagen

Bericht von Matthias    Sonntagmorgen, elfter Juli. In aller Frühe und so leise wie möglich, um unsere Mitbewohner nicht in ihrem Schlaf zu stören, packen wir unsere Rucksäcke. Das ist dank zahlreicher raschelnder Plastiksäcke leider nicht allzu leise und zumindest halbwach sind die beiden dann doch, als wir das Zimmer verlassen. Wir verziehen uns in Richtung Frühstücksbuffet, wo wir uns, ohne den erhaltenen Bon vorweisen zu müssen, bedienen. Die Brötchen, die noch am schmackhaftesten aussehen schmecken allerdings fad wie Pappe. Mit Hilfe von viel Käse verfrachte ich sie dennoch in den Magen. Mein Urteil zum Zmorgen: Ungenügend. Nach dem Essen holen wir in unserem Zimmer noch das Gepäck - mittlerweile sind unsere Zimmergenossen auch aufgestanden - und ziehen die Bettwäsche ab. Mehr Reinigung ist in unseren Augen nicht nötig und bezahlen werden wir dafür erst recht nicht. Wir bestätigen der Receptionistin, dass unser Zimmer in Ordnung sei, und checken aus. Mit dem Tram fahren wir zum Bahnhof und boarden dort den Zug nach Kopenhagen, wo wir auch ohne Reservation in Wagen Nummer Vier noch Platz finden. Um 13:29 kommen wir in der dänischen Hauptstadt an. Dort beschäftigt uns zunächst das Mittagessen. Wie schon bei unserem letzten Aufenthalt in Kopenhagen gibt es Croissants und acuh das Bänkchen, auf das wir uns setzen, ist das selbe.Nach dem Essen machen wir uns dann auf die Suche nach dem richtigen Bus und den passenden Billeten. Nachdem wir den Automaten vergeblich bemüht haben, besorgt Jonas letztere am Schalter. Mit dem Bus 2A fahren wir in Richtung Hostel. Nach einem kurzen Fussweg von der Bushaltestelle aus erreichen wir die Jugi und checken ein. Das Zimmer, mit seinen 12 Betten das grösste auf unserer Reise, ist noch fast unbevölkert, als wir es betreten. Die einzige Gestalt im Raum haben sowohl Jonas als auch ich zunächst für ein Frau gehalten. Es handelt sich dabei aber lediglich um einen Mann mit einer merkwürdigen Frissur und Damenschuhen, der sich die Zeit mit Nähen vertreibt. Er bestätigt mal wieder unsere Vermutung: Mehrbettzimmer sind der Sammelpunkt skuriler Persönlichkeiten. Unser Mitbewohner verlässt das Zimmer aber gleich, als wir beginnen die Betten zu beziehen. Wir legen uns erstmal hin und entspannen uns. Irgendwann entsteht dann aus einer beiläufig geführten Unterhaltung eine hitzig geführte Politdiskussion, die erst nach einer Stunde durch einen Toilettenbesuch beendet wird.
Im Anschuss zieht es uns in die Stadt. Wir nehmen wieder den Bus 2A, müssen aber schon nach drei Stationen aussteigen und umkehren, weil Jonas seine Kamera im Zimmer vergessen hat. Danach steht unserem Trip ins Stadtinnere allerdings nichts mehr im Weg. Beim zweiten 7-Eleven, den wir zu Gesicht bekommen, steigen wir aus und kaufen uns Getränke. Dann spazieren wir durch die Innenstadt, bis eine spielende Band unsere Aufmerksamkeit gewinnt. Der Sound mit Streichern, Drums, Gitarre, Bass und zweistimmigem Gesang trifft genau meinen Geschmack und nach einem kurzem Abstecher zum Bankomaten kaufe ich mir eine CD der australischen Truppe. Schon kurze Zeit später und nur unweit entfernt halten wir das nächste Mal an, denn auch hier erklingt Musik. Diesmal ist es ein Jazz-Quintet mit Bläsern, Banjo und Kontrabass. Wir setzen uns hin und hören gerne zu. Nach einem weiteren Besuch in einem 7-Eleven, der hier allgegenwärtig zu sein scheint, essen wir zu Abend (mal wieder Pølse). Inzwischen spielt auf einer kleinen Bühne in der Nähe schon die nächste Jazz-Formation auf. Ein Plakat verrät, es ist Jazz-Festival in Kopenhagen. Auch hier hören wir gerne zu, bis ein kurzer, heftiger Sommerregen uns in die Flucht schlägt. Als es wieder aufklärt sitzen wir schon im Bus zurück ins Hostel. Inzwischen ist es etwa sieben Uhr abends. An der Reception kaufen wir (zum ersten Mal auf unserer Reise) eine Stunde Internetzugang und laden zwei weitere Berichte auf unsere Homepage. Das Programm danach ist klar. Es ist 20:00 Uhr und der Fernseher nebenan läuft bereits, denn es ist der Tag des WM-Finals. Wir setzen uns in den Tv-Raum und befinden uns schon bald in zahlreicher Gesellschaft. Während den nächsten 120 Minuten fiebern und fanen, bibbern und bangen wir, doch am Ende führt leider kein Weg an der Niederlage der Niederlande vorbei. Nachdem Spaniens Sieg feststeht, verziehen wir uns auf unser Zimmer und machen uns bettfertig. Noch bevor ich ganz wegdöse, tauchen zwei weitere Zimmergenossen auf und beziehen im Dunkeln die Betten. Dann fallen mir die Augen zu.

Kommentar von Jonas    Ein gutes Frühstück ist der beste Start in den Tag. Zum Glück scheint dies nicht die einzige Wahrheit zu sein, denn sonst wäre der 11.7. als schlechtester Tag der Reise in Erinnerung geblieben. Obschon weniger heikel als mein Gefährte, kann auch ich dem teuren Göteborger Hostelfrühstück nichts abgewinnen. Die nächste Überraschung wartet dann am Bahnhof: Der InterCity nach Göteborg, laut dem Winterthurer SBB-Team nicht reservationspflichtig, ist zu zwei Drittel mit reservierten Plätzen gefüllt, und bis wir einen Platz gefunden haben, ist es zu spät, uns im Bahnhof noch Trinkwasserreserven zu beschaffen. Kein Problem, der Zug hat eine Bar. Hätte. Denn die Einrichtung bleibt leider aus unbekannten Gründen die ganze Fahrt durch geschlossen. Immerhin entpuppt sich ein 40-Minütiger Signalhalt irgendwo in Südschweden als planmässig, denn wir erreichen Kopenhagen zur planmässigen Ankunftszeit und gerade noch rechtzeitig bevor mir der Hunger die Stimmung vermiest. Die Suche nach der besten Reisemöglichkeit führt uns dann unter der glühend heissen Sonne rund ums Bahnhofsareal. Doch Railway-Jones findet alles, auch den Bus 2A und mit Hilfe von DSB-Personal sogar das passende Ticket im Automat. In der Jugendherberge dann der erwähnte Schock: Eine Frau im Zimmer, und erst noch eine hässliche... Nur die Tatsache, dass es offiziell ein reines Männer-Mehrbettzimmer ist, überzeugt mich davon, dass dieses nähende Etwas mit recht hoher Stimme ein Mann ist. Nach einer harten Diskussion über politische Mitbestimmung gehts dann also zurück in die Stadt, wo wir uns vor allem mit Musik beschäftigen. Zwei der Jazz-Musiker erinnern uns sehr stark an zwei Winterthurer Kollegen, wie sie vermutlich in 50 Jahren aussehen werden (die betreffenden Personen werden das wohl noch persönlich erfahren). Das Gewitter kommt dann aber leider wirklich im dümmsten Moment, obschon es eigentlich ganz angenehm ist, dass sich das Klima etwas abkühlt. Zurück im Hostel kaufen wir uns eine Stunde Internet (in erster Linie aus organisatorischen Gründen, denn eigentlich scheint uns der Preis schon etwas überrissen. Dass der Match nicht ganz nach unseren Wünschen ausgeht, ist Tradition und wurde auch hier nicht angetastet, dafür kamen wir nach Ende des Spiels schnell ins Bett, noch bevor sich zwei von drei Mitbewohnern im Zimmer einrichten.

Bildergalerie vom 11.7.2010

  • 1a: Die Kopenhagener Altstadt. Die durchaus sehenswerten Wolken im Hintergrund bereiteten uns bereits kurz danach weniger Freude...
  • 1b: Dieses Bild sagt wohl alles!
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