Zur Startseite|Vorheriger Tag|Nächster Tag

Kopenhagen - Kiel

Bericht von Jonas    Als wir um 7:45 aufstehen, begeben sich zwei bisher unbekannte Zimmergenossen eben zu Bett - wir geniessen eine Dusche, wobei "geniessen" angesichts der sehr hohen und nicht regulierbaren Wassertemperatur und der sehr verkalkten Brause nicht unbedingt das richtige Wort ist. Irgendwie werden wir trotzdem so sauber, wie wir uns das erhofft haben, packen fertig und begeben uns nach dem Check-Out sofort mit dem Bus 2A zum Bahnhof. Auf einer der uns bereits von unserem ersten Tag bekannten Sitzbänken lassen wir uns nieder zum gestaffelten Frühstückskauf. Etwa eine halbe Stunde vor Abfahrt gehen wir auf Gleis 8, wo allerdings noch ein Zug nach Nyköbbing steht. Er bleibt vorerst stehen, während ich mich gelegentlich bei der grossen Anzeige vergewissere, dass unser ICE tatsächlich auf Gleis 8 fahren wird. Erst zwei Minuten vor unserer Abfahrtszeit fährt dann der vorherige Zug weg, und unser Diesel-ICE kommt. Wir lassen uns im wirklich absolut vollen Zug auf zwei Last-Minute-Reservations-Plätzen nieder (die, als fast einzige im Wagen, nicht beansprucht werden. Bald kommen wir mit dem Deutschen Ehepaar neben uns ins Gespräch; Sie haben gerade ein Paar Tage in Kopenhagen verbracht. Bei der Fahrt mit der grossen Fähre von Rödby ins Deutsche Puttgarden müssen wir den ICE verlassen, wir geniessen einen Hot Dog (erstmals seit langem mit gekochtem Würstchen) und die frische Brise auf dem obersten Deck, während wir Skandinavien verabschieden. Die letzte Stunde von Puttgarden nach Lübeck gestaltet sich angesichts der ungenügend dimensionierten, aber immerhin voll funktionsfähigen Klimaanlage eher warm, dank dem vom Zugspersonal verteilten Gratiswasser aber erträglich. In Lübeck steigen wir auf den RE nach Kiel um, einen LINT 41 mit eher wenig Platz für Gepäck, das aber bei der mässigen Auslastung problemlos auf den Sitzen mitreist durch Schleswig-Holstein. In Kiel mache ich angesichts der schwierigen Lage im heutigen ICE gleich eine Platzreservation für den folgenden Tag, dann decken wir uns am Bankomat mit Euros ein und suchen die Jugendherberge, die wir nach längerem Warten an einer Hubbrücke und komplizierter Suche nach etwa 45 Minuten finden. Gleich nach dem wir das Zimmer bezogen haben, geht es mit Badeutensilien via EDEKA und Bus 502 zur Haltestelle An der Schanze, wo uns Cosima und ihr Freund Kevin mit dem Auto abholen. Angesichts des drohenden Gewitters fahren wir mit dem Auto an den strandflüchtenden Kolonnen vorbei zum Strand, ziehen uns im Wald um und rennen wir ins Wasser, das wir nach einer Minute wegen drohenden Blitzen wieder verlassen. Wir ziehen uns, um einigermassen trocken zu bleiben, unter dem Kofferraumdeckel des Autos um, bevor wir durch die langen Staus zurück nach Friedrichsort fahren. Dort geniessen wir bei eher stockenden Gesprächen (Cosima spricht immer noch nicht viel mehr als damals beim Kiel-Austausch-Projekt, wo ich sie kennenlernte) feine italienische Küche zu für uns unglaublich günstigen Preisen, danach werden wir, sehr zur Freude von Nötzli mit dem Auto zurück in die JH chauffiert werden. Dort spielen wir noch zwei Runden Schach (die ich verliere) und laden die Fotos auf den Laptop, bevor wir uns zur Nachtruhe begeben. Sie wird leider noch durch Diskussionen mit einem Zimmergenossen verzögert, der findet, es stinke in unserem Zimmer; Er lässt sich dann glücklicherweise damit besänftigen, dass ich meine Schuhe in einen Plasticksack stecke, obschon diese definitiv nicht Ursache für die Gerüche waren.

Kommentar von Matthias    Geschlafen habe ich so gut wie schon lange nicht mehr. Trotzdem tue ich mir mit der Morgenhygiene etwas schwer. Nach einiger Zeit gewöhnt sich die Haut zwar an die viel zu heisse Wassertemperatur. Dass das Wasser nur in einem einzigen Strahl aus der Brause rinnt, macht das Duschen aber auch nicht einfacher. Als Entschädigung gönne ich mir beim Bahnhofsfrühstück gleich drei Gipfeli. Hätte ich gewusst, dass wir mit dem Einsteigen so lange warten müssen, wären es wohl mindestens vier geworden. Aber ich will ja nicht jammern, denn immerhin ergattern im Zug wir zwei freie und nicht Last-Minute reservierten Sitzplätze. Dass wir dabei von unseren Sitznachbarn gleich noch mit deutschen Zeitungen versorgt werden, hebt die Laune zusätzlich. Und den Hot-Dog auf der Fähre auf Deutsch bestellen zu können, gibt mir schon fast ein Gefühl von Heimat. Wir lassen Skandinavien hinter uns und erreichen nach einigem weiteren Zug fahren Kiel. Während wir die technischen Probleme der Hubbrücke nur hilflos aussitzen können, bin ich noch immer der Meinung, dass es keine wirklich dumme Idee gewesen wäre, gleich dem Wegweiser zum Hostel zu folgen. Die Getränke, die dort an der Reception angeboten werden, sind auch gleich Anzeichen für den unglaublichen Preisstutz nach Überqueren der Grenze. Unbezahlbar ist dann dafür die Erfahrung der endloslangen Autokolonne der Strandflüchtenden entgegen zu fahren und bei Regen und in der Ferne schon zuckenden Blitzen ins Meer zu hüpfen. Beim nächsten Blitz, der schon viel näher ist, und einsetzendem Hagel, flüchten dann aber auch wir Vier uns zurück zum Auto. Und ja, in diesem Moment war ich froh, nicht auf einen Bus warten zu müssen. Nach unserem kurzen aber ziemlich nassen Abenteuer tut das italienische Essen gleich doppelt so gut. Etwa halb so hoch ist übrigens der Preis verglichen mit der Lasagne, die wir in Bergen gegessen haben. Da freuen sich Magen und Portemonnaie.

Bildergalerie vom 12.7.2010

  • 1a: Smiling Nötzli. Noch wissen wir nichts von den Unannehmlichkeiten der Reise...
  • 1b: Die letzte unserer diversen Fähre-Überfahrten. Skandinavien liegt definitiv hinter uns.
  • 1c: Dafür erwartet uns Kiel. Während dem Gewitter gab es nicht viel zu fotografieren, dafür zum Schluss noch einen Ausblick von der Jugi-Terrasse nach dem Sturm.
Zur Startseite|Vorheriger Tag|Nächster Tag